Der Ursprung unseres Vorhaben liegt nun genau etwa ein Jahr zurück. Wir wohnten in einer grosszügigen WG, ziemlich zentral in der Stadt Winterthur mit einer atemberaubenden Aussicht. So weit, so gut.

Schon länger kribbelte etwas in uns und wir wussten, dass es an der Zeit war, etwas Neues zu suchen bzw. zu beginnen. Die Stadt hat uns viele Vorteile geboten, die wir auch lange zu schätzen wussten. Wirklich erfüllt hat und dieses Stadtleben jedoch schon länger nicht mehr. Die Lebenskosten in der Stadt sind nicht nur sehr hoch, sondern konnten wir unseren Wunsch nach einem umweltbewussten Dasein kaum realisieren. Wir wollten eine bewusste Veränderung in unserem Leben, welche im Einklang mit der Natur möglich sein sollte. So begannen wir mit der Suche nach einem kleinen Haus mit Garten in der Natur. Möglichkeiten gibt es viele, oft sind auch die Mieten sehr günstig, doch wir konnten uns einfach nicht festlegen. Der Grundgedanke, jeden Monat Miete zu bezahlen und es trotzdem nicht unser eigen nennen zu können, hat uns einfach nicht gefallen. Wir brauchten also Etwas preiswertes, das uns gehört, keine oder wenig Miete und keinen Kredit und auch keine Hypothek benötigt, die uns abhängig machen würden.

Durch die oben genannten Kriterien fiel der Kauf eines Hauses so ziemlich rasch weg. Nun begannen wir nach alternativen Wohnkonzepten zu suchen. Schnell entschieden wir, es sollte nichts Stationäres werden. Uns war klar, wir wollen unseren Lebensmittelpunkt noch nicht fix verankern. Wir besassen bereits ein Reisemobil, unseren Mowag. Natürlich könnte man auch daraus ein sehr kleines Heim machen, doch solange wir noch „normal“ arbeiteten, bat diese Möglichkeit einfach zu wenig Komfort um den Alltag bewältigen zu können. Eine gute Grundlage legte unser Mowag damit vor, dass er die Kraft besitzt unser mobiles zukünftiges Zuhause zu ziehen. Diese Idee hat uns sehr gut gefallen. So würden wir unser mobiles Eigenheim besitzen, welches wahrscheinlich meist in der Schweiz stationiert wäre, und zeitgleich ein super Reisemobil für jegliche nationalen oder internationalen Strassen.

Unser Mowag, die Zugmaschine für unsere Holzkiste

Diese Idee nahm stetig präzisere Formen an und wir begannen uns in sie zu verlieben. Die Liste an Vorteilen, die wir daraus zogen ist lang:

  • geringer Strom-, Wasser- und Ölverbrauch
  • geringe Lebenskosten
  • Unabhängigkeit
  • die Möglichkeit, das Zuhause an die eigenen Bedürfnisse anpassen zu können
  • viel weniger Putzarbeiten
  • man wird viel überflüssigen materiellen Ballast los
  • die Freiheit überall zu leben
  • mehr Nähe in der Beziehung zueinander

Wir können uns vorstellen, dass nicht jederman diese Punkte als Vorteil betrachtet:) Dies ist natürlich immer eine sehr persönliche Angelegenheit und individuell zu entscheiden.

Irgendwann im Sommer 2016 ist unsere Entscheidung dann definitiv gefallen. Wir entschieden gemeinsam mit Sarahs Mitbewohner, dass Ende März 2017 der Termin für den Auszug festgelegt werden sollte. Wir waren uns einig, dass es nötig ist ein Datum zu definieren, das uns zwang, den Mut zu fassen unser vertrautes Nest zu verlassen und etwas zu verändern. Also hatten wir nun etwa neun Monate Zeit uns zu verwirklichen und das, obwohl noch nicht einmal ein Basisfahrzeug existierte. Hoppla, nun ging’s wirklich los!

Von der Idee bis zum Beginn der Umsetzung

Nun hatten wir die Idee, aber noch keinerlei Pläne zur Umsetzung. Wir wussten noch nicht einmal, was für ein Fahrzeug es genau werden könnte. Zirkuswagen, Bauwagen, Wohnwagen oder doch ein Wohnmobil? Wir suchten im Internet nach allem, was für uns irgendwie finanzierbar war. Bald war klar, etwas von der Stange, welches unseren Ansprüchen genügt, gibt es einfach nicht.

  • keine Chemie im WC
  • nachhaltiger und ökologischer Lebensstil, sollte darin möglich sein
  • unabhängig vom Netzstrom
  • kochen und Heizen ohne Gas
  • Holzofen
  • gut isoliert bzw. Winter tauglich
  • möglichst wenig Plastik/Kunststoff verbaut
  • Naturmaterialien
  • Küche, WC, Dusche, Bett
  • Sitzecke und Bett sollten getrennt sein

Diese Punkte sollte das Zuhause möglichst optimal erfüllen. Doch ist z.Bsp. ein eingebauter Holzofen in einem fertigen Wohnwagen kaum zu finden. Das führte dazu, dass nun vor allem Zirkus- und Bauwagen im Zentrum unserer Suche standen. Erneut brachte dies ein grosses Problem mit sich. Die meisten Zirkus- oder Bauwagen wiegen deutlich mehr als 3.5 Tonnen. Doch mehr darf unser Mowag nicht ziehen. Ja sogar einen Traktor zu kaufen haben wir kurzzeitig in Betracht gezogen.

Dann haben wir ihn entdeckt. Ein 6m langer Bauwagen mit einem Gesamtgewicht von 3.5 Tonnen auf zwei Achsen. Termin vereinbart, angeschaut, gekauft und schon stand er auf unserem Parkplatz.

Der Startschuss für den Umbau

So, wir hatten endlich ein Basisfahrzeug und noch sechs Monate Zeit bis zum Einzug. Wir waren glücklich nun endlich beginnen zu können, doch da war diese „Kleinigkeit“: Der Bauwagen sah für seine 20 Jahre nicht schlecht aus und machte einen guten Eindruck. Das Fahrgestell ist gut in Schuss und ist nur Stellenweise mit Flugrost versehen. Jedoch war das Grundgerüst der Wände beim Kauf verkleidet und somit deren Zustand nicht ersichtlich. Das hiess, als erstes gleich einmal einen Teil der Innenverkleidung runter nehmen und nachschauen. Leider hatten wir kein Glück, die Wände und das Grundgerüst waren teilweise richtig morsch! Kein Weltuntergang, doch auf jeden Fall noch einmal ein ganzes Stückchen mehr an allfälliger Arbeit und gleich viel Zeit…

Das neue Ständerwerk der Wände

 

Der Koch- und Sitzbereich nimmt langsam Form an

 

Etwa zur Halbzeit mussten wir wieder aus der Halle ausziehen und im Freien auf unserem Parkplatz weiter arbeiten

In den folgenden sechs Monate wurde täglich gearbeitet. Die Wände wurden neu aufgebaut, Wasserleitungen gelegt, Möbel getischlert, und auch eine Dusche sowie eine Toilette haben wir eingebaut. Dieser Umbau brachte einige Herausforderungen mit sich. Der Winter kam mit eisigen Temperaturen und wir mussten eine Halle für die ersten Wochen organisieren, doch geheizt war diese nicht. Im Gegenteil, es zog wie Hölle und war drinnen meistens kälter als im Freien. Dazu kamen viele kleine Konstruktionsdetails, die geklärt werden mussten. Dazu sei gesagt, dass wir keine ausgebildeter Handwerker sind. Viele Arbeiten waren Neuland für uns, und wir musste sehr Vieles lernen. Natürlich haben wir aus diesem Grund auch immer mal wieder Fehler gemacht, die wir korrigieren mussten. Doch hey, wie sagt man so schön, kein Meister fällt vom Himmel;)

Wir sind Zuhause!

Die Zeit war knapp, doch wir haben es geschafft und wohnen jetzt in unserem Bauwagen, aber fertig ist dieser noch lange nicht. Vieles wurde improvisiert, es musste einfach funktionieren und bewohnbar sein. So müssen wir auch jetzt noch Wasser zum Warmduschen aufkochen oder sind zur Zeit noch abhängig von einem Stromanschluss. Doch diese Tatsachen sind nicht weiter schlimm und gut zu bewältigen.

Noch nicht ganz fertig, doch wir können die Küche nun nutzen!

 

Die gemütliche Sitzecke in unserer Holzkiste

 

Gekocht wird auf einem Origo Spirituskocher

Und jetzt?

Nun ja, der Einzug in die Holzkiste war ein riesiger Schritt für uns und brachte sehr viel Arbeit mit sich. Einiges ist aber noch nicht abgeschlossen, nicht nur bezüglich den Arbeiten an der Holzkiste. Die Vorbereitungen für den Einzug waren fast so viel Arbeit wie der Umbau. Da entstanden z. Bsp. Diskussionen mit den Behörden, die sich ein Leben ohne festen Wohnsitz nicht vorstellen können. Dazu stellt sich die Frage, wohin mit all Gegenständen, die sich so in einem Leben ansammeln, die nun keinen Platz mehr haben?

Mehrheitlich wurde entsorgt, gespendet oder recycelt. Also mussten für alle diese Sachen ein neues Zuhause gefunden werden und das macht richtig viel Arbeit! Wir konnten unser Leben bezüglich Materialismus schon sehr weit reduzieren, doch es fehlte uns schlicht die Zeit alles fachgerecht oder nachhaltig zu entsorgen. Einiges konnten wir zugegeben einfach noch nicht entbehren. Und deswegen füllen genau diese Dinge nun eine Garagenbox, welche Schritt für Schritt geleert werden muss. Braucht jemand noch Werkzeug jeglicher Art und Weise? Unsere Garage ist voll damit xD

Vorerst bleiben wir also noch in Winterthur und kümmern uns um all jene Arbeiten, welche noch anstehen. Gleichzeitig arbeiten wir in unserem alltäglichen Beruf weiter. Wie lange wir bei unserem Standort bleiben, wissen wir noch nicht. Aktuell sind wir froh um diesen Stellplatz und nützen den praktischen Platz für den fertigen Ausbau und freuen uns darauf, was die Zukunft bringt.

Langfristig suchen wir jedoch sicherlich ein Zuhause im Grünen für unsere Holzkiste. Wir sind zuversichtlich ein geeignetes Plätzchen zu finden! Dort hoffen wir dann, nach all diesen Arbeiten, ein bisschen zu entspannen und das Leben im Bauwagen voll umfänglich geniessen zu können und gleichzeitig unser Erspartes dadurch für Reisen aufzustocken. Ab diesem Zeitpunkt beginnen wir mit neuen Plänen für weitere Reisen mit unserem Mowag. Wir werden weiterhin Tätigkeiten ausführen um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, jedoch hoffen wir, das dies in einer anderen Form wie bisher, möglich sein wird. Auf jeden Fall werden wir euch über die weiteren Entwicklungen, Erfahrungen und Bau-Projekte auf dieser Website informieren.