Die Zeit vergeht wie im Nu! Knapp zwei Monate wohnen wir nun schon in unserem Bauwagen. Viele ausstehende Arbeiten haben wir beendet und an einigen arbeiten wir fleissig weiter, um unser neues Zuhause zu vervollständigen. Bereits in dieser Zeit wurde uns mehr denn je bewusst, welchen Komfort und Luxus wir alle täglich in der Schweiz geniessen dürfen. Wir und unsere Holzkiste wurden auf die erste härtere Probe gestellt.

Trotz meteorologischem Frühling wurde es im Mai noch einmal so richtig kalt. Die Temperaturen fielen unter 0° Celsius. Brrr! Vorerst reichte unsere Hanf-Isolation genügend aus, um uns am Abend bei gemütlichen Raumtemperaturen zu entspannen. Beim Kochen mit dem Spiritus-Kocher, welcher sich wirklich super bewährt, entsteht genügend Wärme, um den kleinen Raum warm zu halten. Im Voraus hatten wir uns entschieden, den vorgesehenen Holzofen „Pluto“ erst Ende Sommer anzuschaffen. Da wir den anderen Arbeiten mehr Wichtigkeit zu sprachen, haben wir dies für eine gute Lösung gehalten. Doch die Natur war da anderer Meinung.

Wer hätte geahnt, dass es im Mai noch einmal schneit und die Temperaturen unter 0° Celsius fallen? Wir definitiv nicht 🙂 Die ersten Nächte haben wir uns gesagt; Ach das geht schon, wir sind uns ganz andere Temperaturen gewöhnt! Doch bald wurden wir eines Besseren belehrt.

Als ich morgens aufwachte und den eiskalten Boden unter meinen Füssen spürte, fing ich langsam an zu zweifeln, ob wir das ohne Heizung aushielten. Ich muss gestehen, morgens habe ich nicht immer die beste Laune und brauche meine Zeit um mein inneres Morgenmuffel-Monster zu bekämpfen xD Dieses Monster mal ausgeschlossen, hatte ich andere Schwierigkeiten. Jedoch nicht die kleinen weissen Wolken, die beim Ausatmen in unserem Wagen entstanden, oder der kalte Fussboden unter meinen Füssen, störten mich sehr. Mich beschäftige etwas anderes viel mehr.

Jeder kennt es: Während dem Duschen entsteht Dampf und Wärme. Der Raum ist angenehm warm und man fühlt sich wohl, wenn man aus der Dusche steigt. In einer Wohnung ist dies völlig normal, man denkt nicht darüber nach und man ist nicht sonderlich dankbar über diesen Zustand. Wie viel dieser für mein Wohlbefinden beiträgt, wurde mir erst im Bauwagen bewusst. Nach einer entspannenden Dusche die entsetzliche Kälte des Raumes auf der Haut zu spüren, brachte mich nach jeder Körperwäsche zum Zittern und Frieren. Trotz Atemübungen kam ich mit diesen Temperaturunterschieden nicht klar. Manu hatte damit weniger Problem, doch die Kälte nach dem Duschen oder auch beim Aufwachen stellten mich auf die Probe und ich bestand diese definitiv nicht xD  Meine miese Laune über diesen Zustand wurde deutlich spürbar. Für mich ist genügend Wärme also von Notwendigkeit und wichtig, um mich heimisch zu fühlen. Manu verstand mich ( oder wollte meine Launen einfach nicht mehr ertragen xD) und wir waren uns einig, eine Heizlösung muss her!

Mit dieser Heizung konnten wir wenigstens für einige Tage für Wärme sorgen

Zur Not und aus Zeitmangel kauften wir uns eine kompakte Petroleum Heizung. Unser Zuhause wurde zwar richtig schön warm, trotz Lüften hat uns die leider eher feuchte Wärme nicht zugesagt. Da wir den letzten Drittel unseres Innendaches noch nicht fertig isoliert haben, kondensierte zusätzlich diese Feuchtigkeit am Dach und tropfte auf unseren schönen Schiffsboden. Zudem sorgt die Petroleum Heizung nicht wirklich für ein angenehmes Raumklima. Da wir unser Budget fix verplant hatten und unser Wunschofen „Pluto“ erst zwei Wochen nach der Bestellung eintreffen würde, brauchten wir eine andere Lösung.

Unser neuer und sehr alter Holzofen

Glücklicherweise fand Manu im Internet einen gut erhaltenen kleinen Ofen namens Rigi von Affolter, Christen&Cie A.G Basel aus zweiter Hand inklusive Ofenrohr. Wegen des kleinen Budgets verwarfen wir kurzerhand unseren Plan vom Wunschofen und kauften das gut erhaltene Stück zu einem sehr günstigen Preis. Zwar besitzt dieser wahrscheinlich etwa 80 Jahre alter Ofen keine Koch- oder Backfunktion wie „Pluto“, trotzdem sind wir super zufrieden damit. Zusätzlich hat uns der Aspekt eines Secondhand Ofens immer gut gefallen. Bisher haben uns die Sicherheistaspekte jedoch eher davon abgehalten. Nach dem ersten Einheizen war jedoch klar; dieses Teil war definitiv ein Glückstreffer. Einmal eingeheizt entwickelt dieser kleine Ofen eine angenehme Wärme, welche über mehrere Stunden anhält, auch wenn das Feuer schon lange aus ist. Das Abzugsrohr ist dicht und es gelangt kein Rauch in den Raum. Ein montierter Rauchmelder warnt uns vor allfälliger Rauchentwicklung. Zusätzlich steht nun ein Feuerlöscher im Eingangsbereich. Auch das Problem mit der kondensierenden Feuchtigkeit bekamen wir sofort in den Griff und unsere Wagen ist nun komplett trocken. Damit die Luft gut zirkulieren kann, montierte Manu oberhalb unseres Bettes zusätzlich eine kleine Lüftungsöffnung. Nach dem Duschen ist der Raum nun angenehm warm und beim Ausatmen sind keine weissen Wolken mehr zu sehen. An den sehr kalten Tagen ist Manu freundlicherweise morgens früher aufgestanden und hat den Ofen eingeheizt, so konnte ich den Tag mit Schritten auf einem angenehm warmen Boden starten und entspannt zur Arbeit fahren.

Unsere Solar Panels sind auf Alu-Profilen festgeschraubt, welche wiederum mit Falz-Klemmen am Dach befestigt sind

Mittlerweile sind die kältesten Tage überstanden und die ersten Sommertage sind im Anmarsch. Den Ofen müssen wir nur noch selten einheizen und das Wetter zieht uns mehr nach Draussen. In der Zwischenzeit sind fast alle Teile unseres Stromsystems geliefert worden. Letzte Woche konnten wir unsere Solarpanels endlich auf dem Dach montieren und die Leitungen ins Innere Ziehen. Wir sind begeistert und warten nun freudig auf die letzten Kabel, um das System endlich testen und nutzen zu können. Durch das geniale Montagesystem können wir unsere Panels jederzeit beliebig erweitern und noch mehr Strom für unser Eigenheim sammeln. Wir werden euch weiter auf dem Laufenden halten und über unsere Erfahrungen mit dem Solar-System berichten. Auch in der Küche können wir von Erweiterungen berichten. Die Schränke haben endlich Türen bekommen. Auf meine aus alten Paletten handgefertigten Schranktüren bin ich besonders stolz. Manu hat das super hingekriegt! Der Griff aus Hanfseil rundet die rustikale Optik perfekt ab. Da stören die farblichen Unterschiede des Iso-Tapes nicht soo sehr 😉 Und das beste: Mein Geschirr ist endlich wieder staub- und hundehaarfrei; Juhui!

Welch Kleinigkeiten das Leben erfreuen können, wird mir im Bauwagen bewusster den je. Es sind jene Kleinigkeiten im Alttag, die das Leben ausfüllen und wertvoll machen. Wir Menschen sind leider oft zu beschäftigt oder gestresst vom Druck immer mehr zu besitzen und zu erreichen, dass wir diese nahe liegenden Tatsachen nicht mehr wahrnehmen oder einfach vergessen haben, und somit auch nicht immer schätzen können. In der Schweiz liegt der Lebensstandard so hoch, das wir teilweise den uns gebotenen Luxus nicht mehr zu schätzen wissen oder den Schweizer Komfort total ausblenden. Nach dem ersten Monat bin ich froh sagen zu können, dass wir das Leben im Bauwagen trotz alltäglicher Hürden wirklich schätzen und froh sind, dass wir uns bewusst entschieden haben diesen Weg zu gehen. Manchmal ist Weniger eben doch viel Mehr…