Die letzten Monate hatten wir kaum Zeit für eine Pause. Täglich arbeiteten wir an der Holzkiste, bereiteten den Auszug/Einzug vor, reinigten und leerten die Wohnung und arbeiteten unsere To-do-Liste ab. Nun steht der Sommer bevor, Temperaturen über 30 Grad Celsius sind angesagt und wir möchten mal wieder ein entspanntes Wochenende verbringen.

Unser Parkplatz, auf welchem wir zur Zeit stehen, ist sicherlich sehr praktisch. Wir können einen Stromanschluss nutzen (den benötigen wir momentan noch), zudem haben wir die Möglichkeit Abwasser zu entsorgen und Frischwasser zu beschaffen. Doch Temperaturen über 30 Grad Celsius auf einem Parkplatz ohne Schatten sind nicht so angenehm. Daher zog es uns wieder in die Berge.

Es war bereits Samstag Abend, als wir uns entschieden einen kurzen Ausflug zu unternehmen. Da der Van zur Zeit als Werkzeug-Truck genutzt wird, war dieser somit nicht wirklich bereit für einen kleinen Trip. Zudem besitzen wir keine Standheizung oder dergleichen und in den Bergen wird es nachts kälter als hier. Doch das spielte für uns alles keine Rolle.

Nach einer Recherche im Internet hatten wir uns entschieden: Es ging auf den Oberalppass. In der Nacht rechneten wir mit tieferen Temperaturen oder mit liegendem Schnee, aber das sollte kein Problem für uns sein. Über den Tag waren Temperaturen bis 20 Grad Celsius bei Sonnenschein angesagt, ideales Wander-Wetter. Nun mussten wir nur noch alles vorbereiten.

Unser roter Van

Unser Mowag ist ein ideales Reise-Fahrzeug, jedoch erst nach seiner kompletten Aufrüstung. Zur Zeit ist unser Van eher spärlich eingerichtet. Für den Umzug und die Bauphase der Holzkiste, entfernten wir den damals aus Rest-Holz gezimmerten Einbau. Aus dem Reisemobil wurde ein Werkzeug-Truck bzw. eine Umzugs-Transporter. Nun stellten wir also über Nacht wieder ein Reisemobil zusammen.

In diesem Fall hatten wir aber keine großen Anforderungen an unseren Van. Die Möglichkeit angenehm zu Schlafen, Kochen und zu Duschen reichten uns aus. Sonst noch was? Nein! Also, Sonntag morgens verstauten wir als erstes sämtliches Werkzeug, Maschinen und Material, welches noch im Mowag war, in einem Euro Pallet Rahmen im hinteren Teil des Fahrzeuges. Was darin keinen Platz fand, wurde im Bauwagen zwischen gelagert. Somit hatten wir schon wieder viel Platz und einen improvisierten Tisch zum Kochen und Essen. Ein Bett im eigentlichen Sinn gab es nicht. Mit Decken, Schlafsäcken und Kissen wurde aus der restlichen freien Bodenfläche der Schlafbereich. Unser Spiritus-Kocher aus der Holzkiste begleitete uns ebenfalls auf diesem Trip. Nach etwa 1.5 Stunden vorbereiten, aufräumen und packen, waren wir dann bereit zur Abreise.

Die Alpen, immer wieder wunderschön

Die Strecke von Winterthur via Andermatt auf den Oberalppass ist glücklicherweise nicht sehr weit. Nach drei sehr gemütlichen Stunden Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht!

Traumhaftes Wetter und ca. 20 Grad Celsius empfingen uns; das ist viel angenehmer als über 30 Grad Celsius auf einem Asphalt Platz! Nach einer versteckten Ecke, in der wir unseren Van verstecken konnten, mussten wir nicht lange suchen. Ein kurzer nicht asphaltierter Weg führte einige Meter von der Passstraße entfernt zu einem Bereich, der wohl des öfteren als Parkplatz genutzt wird. Praktisch, ein Wasserlauf war ebenfalls vorhanden, so hatten wir ein Quelle für unsere Wasservorräte gefunden.

Hier parkierten wir unseren Van, stärkten uns etwas und machten uns dann auch schon zu Fuß weiter auf den Weg. Unser Ziel war die Rheinquelle bzw. der Tomasee. Dieser liegt auf 2345 m ü.M. und soll wunderschön sein. Nachdem wir uns ein wenig umgeschaut und orientiert hatten, fiel uns auf, dass der Weg, welcher zu diesem See führt, direkt hinter unserem Standort verlief. Besser hätte es nicht laufen können. Also, ging’s los in Richtung Rheinquelle.

Der markierte Wanderweg führte an der Bergflanke entlang und bat ein herrliches Panorama. Da der Hang steil abfällt und der Pfad teilweise sehr schmal ist und auch über einige Felsen führt, sahen wir teilweise Metallösen für Halteseile. Doch diese Seile wurden im Winter demontiert und wir waren einfach noch zu früh unterwegs, um uns daran festhalten zu können. Nichts desto trotz hielten wir uns unbeirrt an den Weg und überquerten vorsichtig alle Bächlein, Schneefelder und Felsen. Das war durchaus kein Kinderspiel. Unser Vierbeiner Mogli ist sich alpine Touren noch nicht so gewohnt, doch er hat sich gut geschlagen und auch heiklere Passagen wunderbar gemeistert.

Nach etwa einer Stunde zu Fuß kamen wir bei einer großen, ziemlich ebenen Fläche an. Diese war entweder gänzlich mit Schnee oder Wasser bedeckt. Der Pfad war nicht mehr zu erkennen. Wir rasteten auf einem großen quaderförmigen Fels. Dieser bat die einzige Möglichkeit eine Pause einzulegen, ohne sich dabei ins kühle Nass setzen zu müssen. Nach einer kurzen Verpflegung mussten wir uns zuerst einmal orientieren.

Dank GPS konnten wir den weiteren Verlauf des Weges schnell weiter oben am Berg wieder finden, doch bis zum Wanderweg mussten wir zuerst diesen riesigen Bereich voller Wasser und Schnee überqueren. Unsere Füsse waren zu diesem Zeitpunkt schon komplett durchnässt und es sah so aus, als würde die Strecke weiter oben im Hang nicht einfacher werden. Zudem zogen einige ziemlich große und dunkle Wolken auf. Da wir für diese Umstände definitiv die falschen Schuhe ausgewählt hatten, entschieden wir an diesem Punkt wieder Kehrt zu machen.

Sehr gerne hätten wir es bis zum Tomasee geschafft. Der wahrscheinlich noch gefrorene und Schnee bedeckte See, hätte sicher ein atemberaubendes Panorama geboten. Doch ein unnötiges Risiko einzugehen, war es uns definitiv nicht wert. Zudem werden wir noch des öfteren in dieser Region unterwegs sein. Die Rheinquelle wird uns sicherlich noch ein weiters Mal anlocken.

Es ging also wieder die gleiche Strecke zurück, die wir gekommen waren. Laut Internet war es gewagt diese Route so früh im Jahr zu wählen. Dies wussten wir vorab und waren deshalb nicht sehr betrübt, dass wir das Ziel nicht erreichte hatten. Auf dem Weg zum Tomasee hatten wir schon den einen oder anderen Wanderer gesehen, der auch Kehrt machen musste. Ja unglaublich, es gab sogar solche, die diese Strecke zu dieser Zeit mit einem Tandem-Velo in Angriff nahmen 🙂

Zurück im „Basis-Camp“ setzten wir uns zuerst einmal in unsere Campingstühle und ließen das Panorama auf uns wirken. Die Schweizer Alpen sind und bleiben einfach wunderschön! Während dessen hat sich Mogli ausgiebig im Wasserlauf abgekühlt.

Da wir alles in allem ziemlich unvorbereitet los gezogen waren, mussten wir uns nun auf den Abend und die Nacht vorbereiten. Wanderungen in den Bergen sind anspruchsvoll, wir sind immer froh, wenn wir uns danach richtig sauber machen können. Eine Dusche hatten wir aber nicht dabei, ein bisschen Gedanken bezüglich Impro-Dusche haben wir uns aber schon gemacht. Ein 30l Wasserkanister brachten wir im Fahrzeug vorab unter. Nach einem Tag in der prallen Sonne war dieser angenehm warm, wobei hier Sarah und ich wohl unterschiedliche Definitionen von „warm“ haben 😉 Wir verließen uns darauf, dass sich in unserer riesigen Werkzeug-Kiste etwas Passendes finden ließe. So in etwa war es dann auch: Mit einem Spitzmeissel und einem Hammer schlugen wir schnell einige Löcher in den Deckel des Kanisters. Dieser wurde aufs Dach gestellt und umgekippt, schon hatten wir eine super Freiluft-Dusche. Nachdem wir den Mowag noch schnell geschickt rückwärts an den Hang geparkt und die Hecktüren geöffnet hatten, besaßen wir sogar sowas wie Privatsphäre während dem Duschen.

Die Nacht kommt – es wird frisch!

Auf unserem Dometic Origo 3000 Spiritus-Kocher konnten wir uns ein Abendessen zaubern. Dieser hat sich in den letzten zwei Monaten super bewährt und auch auf dieser Reise war er ideal. Teller hatten wir vergessen, halb so wild. Essen kann man auch aus einer Pfanne.

Alles in allem war es ein super Tag, das Wetter hatte perfekt mitgespielt und auch die großen Wolken verzogen sich schnell wieder. Auch das Duschen und Kochen war ein voller Erfolg und wir konnten nun den Abend gemütlich ausklingen lassen. Kaum ging die Sonne unter, wurde es schnell ziemlich frisch. Die angenehm kühle Briese, die wir den ganzen Tag genießen durften, wurde nun richtig kalt. Als es dunkelte, zogen wir uns in den Van zurück. Dieser ist zur Zeit weder isoliert noch beheizt, doch wir hatten mehr als genug Decken und Kissen dabei, sodass wir zu keiner Zeit frieren mussten.

Am nächsten Morgen stand die Heimfahrt leider bereits wieder an. Zuhause wartete Arbeit auf uns, dazu gehörte das Wäsche machen. Da wir in der Holzkiste kaum nasse Wäsche aufhängen können, müssen wir schöne Tage immer mal wieder nutzen und all unsere Kleider wieder frisch machen.

Fazit

Dieser Trip war ein voller Erfolg. Wir haben den Tomasee leider nicht erreicht, doch dieser läuft uns nicht davon. Das Ziel dieses ersten Trips war es, diese Region besser kennen zu lernen. Wir möchten dieses Jahr einige Strahler-Touren rund um den Oberalppass machen, da uns Mineralien schon länger begeistern und interessieren. Dabei verfolgen wir nicht wirklich wirtschaftliche Ziele. Doch würde es uns natürlich nicht stören, wenn wir einen großen Fund machen würden 😉

Auch immer spannend in den Schweizer Alpen sind die ehemaligen Bunker und ehemaligen Gefechtsstationen der Schweizer Armee. So sind wir letztes Jahr per Zufall auf einen alten Ausguck mit Bunker an den Bergflanken auf dem Albulapass gestoßen. Rund um den gesamten Oberalppass haben wir einige Reduits und Bunker erspäht. In nächster Zeit werden wir auch in dieser Region die Routen zu diesen Locations recherchieren und dann hoffentlich bald besuchen.

Zum Schluss noch einige weitere Bilder aus dieser zauberhaften Region.

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