Mit unserer Entscheidung in den Bauwagen zu ziehen, begann auch unsere Umsetzung bezüglich Plastik und Abfall in unserem Alltag. Da wir naturnaher leben und wohnen möchten, wollen wir unsere Umwelt so gut wie möglich schonen, um sie noch lange genug genießen zu dürfen. Leider sind die Weltmeere mittlerweile so stark durch Mikroplastik verunreinigt, dass diese Partikel ganze Ökosysteme belasten und auch vernichten. Wie riesig dieses Problem des von uns Menschen allzeit beliebten Plastik wirklich ist, beweisen diverse Berichte (Z.Bsp. WWF: Unsere Ozeane versinken im Plastikmüll). Es reicht soweit, dass beispielsweise in frisch geangelten Fischen Plastik im Fleisch gefunden wird. Diese erschreckende Tatsache ist leider nur eine von zahlreichen Ursachen unseres Umgangs mit Plastik.

Wir möchten jedoch den Plastik nicht komplett verteufeln oder jemanden zwingen Plastik zu vermeiden. Jedoch muss man diese Problematik angehen! Der bewusstere Umgang bezüglich Kunststoff und dessen Auswirkungen ist unser Anliegen. Bewusster mit dem Thema Plastik im Alltag umzugehen und mögliche Alternativen zu zeigen.

Aller Anfang ist leicht

Den ersten Schritt für ein umweltbewussteres Leben machten wir mit dem Versuch auf jegliche Plastikverpackungen zu verzichten und somit unseren Abfall zu reduzieren. Was als kleines Projekt gestartet ist, prägt mittlerweile unseren Alltag. Wir reduzieren nicht nur unseren Müll, sondern sparen dadurch einiges an Zeit und Entsorgungskosten und schonen zugleich unsere Umwelt. Wie wir das bereits mit wenig Aufwand umsetzen, möchte ich euch nun genauer erläutern.

Einkaufen

Ein Jutebeutel, ein selbst gehäkltes Einkaufsnetz für Gemüse oder Brot, ein leeres Honigglas sowie eine Edelstahldose, gehören zu meinen ständigen Begleitern. Damit diese nicht vergessen gehen, verstaue ich diese einzelnen Gefäße in einem weiteren Beutel. So bin ich stets bereit für einen spontanen Einkauf. Seit unserem Plastik-Projekt gehe ich weniger oft und bewusster einkaufen. Anfangs Woche bereite ich einen Speiseplan vor und plane somit den gesamten wöchentlichen Einkauf. Ein bis zwei Mal pro Woche besuche ich den Markt und packe zusätzlich weitere Gemüsebeutel ein. Am Marktstand frage ich freundlich den Verkäufer, ob er mir das Gemüse in meine mitgebrachten Beutel füllen kann. In Winterthur ist dies kein Problem und gern gesehen. Auf Kaufquittungen verzichte ich ganz. Sogar am Käsestand füllt mir die freundliche Verkäuferin ihre Produkte in meine mitgebrachten Behälter. Wer Wurst kaufen möchte, kann auf die Einwickelfolie verzichten und spart somit den Abfall. Apfelsaft, Antipasti, frische Nudeln, Brot, frisches Gebäck, etc. auf dem Wochenmarkt ist es möglich nahezu alle Produkte plastikfrei zu erhalten. In grossen Einkaufshäusern ist es durchaus schwieriger. An Offenverkaufstheken bin ich mit meinen mitgebrachten Behälter schon angestoßen. Da die Verkäufer an strengere Hygienerichtlinien gebunden sind, dürfen sie laut Mitarbeiter ihre Produkte nicht in eigens mitgebrachten Gefäßen verpacken. Deshalb besuche ich hauptsächlich nur noch den Wochenmarkt oder kleinere regionale Fachgeschäfte.

Für trockene Zutaten wie Reis, Pasta, Mehl, aber auch Öl, Essig, Birnendicksaft, etc. suche ich den regionalen Bio-Laden Bare Ware auf. Dieser bietet seine Produkte mitten in der Altstadt von Winterthur verpackungsfrei an. Die Gründerinnen Iris und Adriana haben ihr Geschäft neu eröffnet und verfügen bereits über ein grosses Sortiment an verpackungsfreien Alltagsgütern. Ob Brot, Gemüse, Naturkosmetik, Reinigungsmittel, Nüsse, Gewürze alle Produkte sind möglichst regional, fair produziert und bio. Ich bin ein großer Fan ihrer Umsetzung und Idee eines nachhaltigen Umgangs mit allen Ressourcen. Durch die Eröffnung von Bare Ware in Winterthur ist mein plastikfreier Einkauf einfacher geworden. Praktisch alle Produkte, welche früher umständlich zu besorgen waren, bekommen ich nun in Winterthur. Klar, gibt es noch Produkt auf welche wir nicht verzichten möchten oder können und diese trotz Verpackung kaufen. Ein Beispiel dafür ist Sauerstoffbleiche für unser selbst gemachtes Waschmittel. Dies bekomme ich aktuell nur Online, jedoch im Karton verpackt. Für gewisse Produkte habe ich einfach noch keine für mich passende Alternative gefunden oder es gibt sie einfach noch nicht. Dies ist kein Grund zum Aufgeben, im Gegenteil, es spornt mich an noch mehr Lösungen zu finden.

Do it Yourself

Grundsätzlich lassen sich Verpackungen reduzieren, indem man vermehrt Dinge selber herstellt. Rohstoffe dafür bekommt man oft in Karton oder Glas in grösseren Mengen verpackt. Im ideal Fall sogar verpackungsfrei. Natron ist mein Wundermittel für viele Bereiche im Alltag. Dieses kaufte ich bisher in der Apotheke Meier. Der Apotheker füllte mir das Natron in ein mitgebrachtes Glasgefäss ab. Doch neuerdings ist bei Bare Ware Natron ebenfalls im Offenverkauf erhältlich 🙂 Daraus stelle ich hauptsächlich Spülmittel, allgemeine Reinigungsmittel und Deo her. Aber auch Grundzutaten wie Mehl für jegliche Art von Teigen, Gebäck, etc. lässt sich gut offen und in großen Mengen kaufen und danach verarbeiten. Durch das Vermeiden von diversen Produkten stellt man wieder öfters Produkte selber her, anstatt einfach alles fertig zu kaufen. dadurch spart man nicht nur einiges an Kosten, sondern man weiss genau, was man jetzt wirklich isst und genießen darf;)

Badezimmer

Unser Bad ist mittlerweile nahezu plastikfrei. Zur Körperpflege benützen wir „nur“ noch verpackungsfreie Naturseife hergestellt in der Schweiz. Unsere Zahnpasta mischen wir uns selber an. Zur Zahnpflege nützen wir aktuell Bambuszahnbürsten. Meine Mascara und meinen Eyeliner mische ich mir selber mit Aktivkohle (verpackungsfrei aus der Apotheke) und Mandelöl in der Glasflasche an und reduziere somit einiges an Kosmetik Verpackungen. Meine selbst genähten Bio-Baumwollabschminkpads erfüllen ihren Zweck wunderbar und vermeiden die meist mit Chlor bearbeiteten Kosmetikpads. Sie sind leicht zu waschen und somit wiederverwendbar. Zur Hautpflege nütze ich ausschließlich Hanfspeiseöl oder alternativ Kokosöl. Wobei ich das neutrale und auch regional erhältliche Hanfspeiseöl bevorzuge. Haarshampoo brauche ich nicht mehr, da ich seit ca. 6 Monaten meine Haare ausschliesslich mit Wasser und einer Schweineborstenbürste pflege. Ab und an verwende ich zusätzlich eine Honig und Ei Spülung. Was überraschender Weise nach einer Umstellungsphase super funktioniert. Manu hat so kurze Haare das Seife und Wasser ausreichen. Und Mogli wird fleißig gebürstet. Während den roten Tagen nütze ich eine Menstruationstasse und vermeide somit alle allfälligen Hygieneartikel für Frauen. Dies ist super leicht zu benützen und reduziert den monatlichen Hygieneartikelabfall. Unser Klopapier beziehen wir in Recycling-Einzelpapierblätter im Grosskarton. Die Papierbänder, die den Stapel zusammenhalten, sind perfektes Brenngut für unseren Ofen. Für unsere Trockentrenntoilette möchten wir demnächst einen Schreiner in der Region, um Holzspannreste anfragen, damit wir auch dieses Produkt verpackungsfrei beziehen können.

Plastikfreie Küche

In der Küche verwende ich ein selbstgemachtes Spülmittel, welches ich frisch herstelle und in eine wiederverwendbare Glasflasche mit Dosierkopf abfülle. Eine Holzbürste mit auswechselbarem Bürstenkopf dient zum Abwaschen. Der ausgediente Kopf lässt sich einfach auswechseln und im Ofen verbrennen. Aus Paketschnur häkle ich uns regelmässig zusätzliche Spülschwämme. Für unseren Spiritusbrenner nütze ich einen waschbaren Kupferschwamm für hartnäckige Verschmutzungen. Als Haushaltspapierersatz habe ich uns aus einem alten Bademantel waschbare Lappen genäht. Somit fällt auch dieser Abfall weg. Meine Vorräte lagere ich in Weckgläsern oder Blechdosen. Brot und Gemüse werden in Stoffbeuteln aufbewahrt und frisch gehalten. Da wir noch keinen Kühlschrank besitzen, verarbeite ich nahezu alle Zutaten frisch und portionsgerecht. Für Essensreste, welche jedoch im Kühlschrank aufbewahrt und abgedeckt werden müssen, gibt es mittlerweile wiederverwendbare Bienenwachstücher, welche Alufolie und Co. super ersetzen.

Dies sind nur ein paar Ideen und Anregungen aus unserem neu gestalteten Alltag. Wie du jedoch siehst, lässt sich in nahezu jedem Bereich im Alltag eine geeignete plastikfreie oder müll-reduzierende Lösung finden. Man muss nur ein wenig umdenken und offen für Neues oder vergessenes Altbewährtes sein. Vielleicht besitzt auch du eigene Tipps für einen plastikfreieren Alltag, dann kommentiere doch diesen Beitrag!