Vielerorts auf der Welt findet man alte, verlassene Sanatorien. Heilstätten, welche oft schon über 100 Jahre alt sind und nun auf den kompletten Zerfall warten. Auch dieses Wochenende waren wir wieder in den Bergen unterwegs und haben dabei einen der letzten Spots dieser Art in der Schweiz besucht.

Sanatorio del Gottardo

Wie auch schon das letzte Mal machten wir uns Samstag Abend auf den Weg in Richtung Alpen. Auf dem Gotthardpass suchten wir uns dann einen schönen Platz, damit wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Sanatorio del Gottardo machen konnten.

Der Haupteingang in das riesige Gebäude.
Der Haupteingang in das riesige Gebäude

Das imposante Gebäude steht oberhalb von Quinto an einem Hang neben der Standseilbahn zum Ritòm See. Über 50 Jahre wurden darin kranke und verletzte Menschen behandelt. Heute steht dieses Sanatorium schon ebenso viele Jahre leer und ist einer der wenigen Lost-Places in der Schweiz.

Das einzige Zimmer, in dem die Möbel ansatzweise erkennbar sind
Das einzige Zimmer, in dem die Möbel noch ansatzweise erkennbar sind
Langer düsterer Gang mit Türen links und rechts
Auf jedem Stock findet man einen dieser langen düsteren Gänge

Verschiedene Quellen im Internet berichten, dass in dieser Heilstätte zu Beginn verletzte und kranke Mietglieder des Militär und später unter anderem Tuberkulose Fälle behandelt wurden. Heute sieht man jedoch kaum noch etwas davon. Das Hauptgebäude wurde komplett dem Zerfall überlassen. Von Wänden und Decken kommen grosse Stücke runter, überall sind riesige Löcher vorhanden und darunter sieht man die marode Holzkonstruktion. Zimmer, Säle und Keller sind komplett ausgeräumt, alles was zurück geblieben ist, sind jede Menge Scherben, Schutt und ein modriger Geruch. Da dieses Gebäude vor allem durch das Internet richtige Bekanntheit erlangte, hat auch der Vandalismus keinen Halt davor gemacht. Wände wurden versprayt, Scheiben eingeschlagen, Türen ausgerissen und was noch an Möbeln übrig war, ebenfalls zerstört. Auch der Keller, in welchem die Leichen zwischengelagert wurden, ist nicht mehr wirklich als solcher zu erkennen. Die Natur hat ebenfalls ihre eigenen Pläne mit diesem Gebäude. Bäume nähern sich dem Haus, viele kleine Pflanze sicherten sich einen Platz auf den Terrassen, Böden und in den Gärten und gedeihen prächtig.

Eine Kaputte alte offene Türe umgeben von Graffitis
Von der Galerie führt diese Türe direkt in den Wald
Eine ziemlich herunter gekommene Terasse
Hier haben sich die Patienten wahrscheinlich entspannt

Doch was viele nicht wissen, dieser Ort ist noch nicht vollständig verlassen. Einerseits herrscht da ein reger Verkehr, bestehend aus Personen, die diesen Ort noch besuchen möchten ehe er komplett zerfallen ist. So haben wir während der Zeit unseres Aufenthalts, fünf weitere Personen angetroffen. Anderseits leben dort tatsächlich (noch) Menschen. Neben dem Hauptgebäude stehen zwei weitere Häuser. Das Ärztehaus, sowie ein Waschhaus mit Wohnbereichen für Angestellte. Ebenfalls befindet sich auf dem Grundstück eine Haltestation neben der Zahnradbahn. Auf diesem Grundstück leben seit 40 Jahre Menschen, welche sich rund um das Sanatorium einen kleine Hof mit Ziegen eingerichtet haben. Wir lernten eine ältere Dame kennen, die schon fast ihr ganzes Leben dort verbringt. Sie wohnt im ehemaligen Ärztegebäude, einige Meter oberhalb des Hauptgebäudes. Doch trauriger Weise muss auch sie, sowie alle anderen Menschen dort, dieses wunderschöne Plätzchen nun verlassen. Ausländische Investoren fanden Interesse am gesamten Areal und kauften schlussendlich das Grundstück. Die Anwohner müssen ihr Zuhause räumen. Die Dame, welche bis vor kurzem Ziegen auf ihrem kleinen Hof gehalten hatte, musste diese nun verkaufen und sich auf die Suche nach einem neuen Heim machen. Das wirklich traurige an dieser Sache: Die Pläne eine Sportschule zu bauen, wurden wohl schon wieder verworfen! Alles in allem ist diese wahrscheinlich nur eine von vielen weiteren tragischen Geschichten, die an diesem Ort statt gefunden haben.

Einige dieser verlassenen Orte in der Schweiz sind sehr schwierig zu finden. Leider wurden viele dieser einst wunderschönen Plätze komplett durch Menschen verwüstet, sodass niemand mehr bereit ist, die Koordinaten oder Adressen dieser Bauten preiszugeben. Auch wir geben diese normalerweise nicht heraus. Doch da dieses Sanatorium heute sogar bei Google Maps eingetragen ist, sehen wir es in diesem Fall nicht so eng;)

Lago Ritòm

Nachdem wir uns ausführlich auf dem Gelände des Sanatoriums umgesehen hatten und auch mit Mogli einige Meter gegangen waren, machten wir uns nun auf den Weg zu einem weiteren Ziel an diesem Tag, dem Lago Ritòm. Ein Stausee, welcher mehr oder weniger direkt über dem Sanatorio del Gottardo liegt. Eine kleine aber super spektakuläre Asphaltstrasse schlängelt sich den Berg hoch durch das wunderschöne Piorataal bis direkt unter die Stauseemauer, an welcher ein grosser Parkplatz liegt.

Wir machen uns immer mal wieder Gedanken zum Thema Offroad-LKW, würde uns so ein grosses Gefährt eigentlich echt zusagen, waren wir nun aber doch froh um unseren „kleinen“ Van. Die Strasse ist teilweise wirklich schmal und die Unterführungen der Standseilbahn bieten echt nicht viel Platz nach Oben.

Eine sehr schmale Strasse durch den Wald
Diese Strasse führt bis zum Ritomsee
Unser Mowag unter einer sehr schmalen und tiefen Brücke
Über diese Brücke führt die Standseilbahn zum Ritomsee. Glücklicher Weise ist unserer Mowag noch „klein“ genug

Alternativ könnte man auch die kleine wirkliche alte Standseilbahn bis unterhalb des Lago Ritòm nehmen. Diese Strecke wurde 1921 zusammen mit dem Ritòm Kraftwerk von der SBB erstellt. Mit nun bald 100 Jahren ist sie nicht nur sehr alt, dank der 87.8% Steigung ist sie die steilste für die Öffentlichkeit zugängliche Standseilbahn der Welt. Auch heute noch transportiert sie zuverlässig hundert Menschen pro Stunde in etwas mehr als 10 Minuten die rund 1.3km lange Strecke hoch und runter.

Vom Parkplatz führt eine Schotterstrasse weiter zu einigen Häusern und einem grösseren Parkplatz oberhalb des Sees. Allerdings herrscht auf dieser Strasse ein Fahrverbot hinauf von 09:00 -17:00 Uhr und hinunter von 09:00 – 12:00. Da wir am Nachmittag ankamen, haben wir unseren Mowag stehen gelassen und uns zu Fuss auf den Weg gemacht. Diese Region ist wirklich eindrücklich, doch sie hat einen Haken. Zur Hochsaison ist da oben echt viel los. Eine Parkplatz direkt unter der Mauer zu bekommen, war ein echter Glücksfall. Da wir uns nachmittags auf dem Weg um den See befanden, kamen mindestens in eine Richtung Fahrzeuge entgegen und dies waren nicht wenige. Eigentlich suchten wir nach einem schönen Platz für die Nacht, doch leider herrscht oberhalb des Sees nach dem Dorf ein Fahr- sowie Campingverbot.

Der Ritomsee mit Sicht in Richtung Staumauer
Der Ritomsee mit Sicht in Richtung Staumauer
Mogli badet im Ritomsee
Unser Vierbeiner ist eine echte Wasserrate, so hat er sich auch hier eine Abkühlung gegönnt

Nach einem Spaziergang um den See, einer kurzen Verpflegung und einem Bad im See für Mogli machten wir uns wieder auf den Weg abwärts ohne festes Ziel. Wir suchten nun also nach einem geeigneten und einsamen Schlafplatz. Unten im Tal angekommen, sahen wir dann ein Schild, angeschrieben mit Passo Novena. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir aber echt nicht verstanden, welcher Pass damit gemeint war xD. Wir entschieden uns dem Schild einfach mal zu folgen, Pässe bieten fast immer schöne Übernachtungsgelegenheiten. Einige Meter später wurde uns dann dank weiterer, in deutsch beschrifteter Schilder, klar, welcher Pass gemeint ist:

Der Nufenenpass, der höchste Pass innerhalb der Schweiz

Verglichen mit anderen Pässen ist der Nufenenpass noch ziemlich jung. 1969 wurde diese Strasse mit ihrem wunderbaren Panorama eröffnet. Mit knapp 2500 Meter über Meer ist dieser der höchste innerhalb der Schweiz liegende Pass.

Wir fuhren nun also der Passstrasse entlang und hielten nach einem anständigen Platz abseits der Strasse Ausschau. Es ist schwierig zu sagen, welcher Pass der schönste in der Schweiz ist, aber ganz sicher hat auch dieser einen Platz weit oben in der Liste verdient! Die Aussicht über die gesamte Länge des Passes ist einfach nur atemberaubend schön. Nachdem wir die Passhöhe passiert hatten, fanden wir auch einen ruhig gelegenen Asphalt Parkplatz, welcher mit einer kleinen Strasse mit dem Pass verbunden ist. Ein Schotterweg führt von hier noch weiter den Berg hoch. Schotterpisten in den Alpen sind immer mal wieder zu schmal. Also parkierten wir den Mowag und nahmen den Weg genauer unter die Lupe. Diese Strasse setzt mindestens in einer Kurve auf Grund des sehr losen Untergrunds einen Allradantrieb voraus. Die Breite war ok, aber wenn am Rand einiges an Geröll liegt, sollte man besser Abstand halten. Einige Meter weiter oben ist sie bei einem weiteren Asphaltplatz aber auch schon zu Ende. Da bereits der erste Platz ein herrliches Panorama bietet, fuhren wir nicht mehr weiter hoch mit unserem Gefährt und richteten uns auf dem ersten Platz für die zweite Nacht ein.

Der Windpark vor dem Griessee
Von unserem Nachtplatz hatten wir Sicht bis auf den Griessee und den riesigen Gletscher dahinter. Vor dem See sind zwei der vier Windräder zu sehen. Diese gehören zum höchsten Windpark Europas, welcher 2011 bis 2016 erbaut wurde.

Am nächsten Tag erkundeten wir den Pass genauer. Auf der Walliser Seite findet man einen Weg, der vom Pass bis zum Griessee führt. Dieser See ist, was für eine Überraschung, ein weiterer Stausee xD. Doch dieser ist spezieller! Den direkt hinter dem See ist der Griesgletscher. Die Strecke vom Pass bis zum See ist zu Fuss nicht lange, wir hatten wahrscheinlich etwa eine Stunde, doch waren wir auch ziemlich langsam unterwegs. Schon der Ausblick von der Staumauer aus ist toll. Doch wenn man noch einem Weg weiter Richtung Gletscher folgt, wird die Aussicht erst richtig grossartig! Dieser kleine Weg ist echt schmal und führt der Bergflanke entlang bis hin zum Gletscher. Für diese Strecke benötigten wir bestimmt noch eine weitere Stunde, doch der Weg hatte sich definitiv gelohnt!

Der Griessee und im Hintergrund der Griesgletscher
Schon an der Staumauer ist die Aussicht grandios
Ein kleiner schmaler Pfad in der steilen Bergflanke
Dieser schmale Pfad führt nahe an den Gletscher heran. Gutes Schuhwerk ist hier angebracht
Alpines Terrain mit kleinem Bergseelein und Wolkenspektakel
Diese Wunderbare Aussicht durften wir auf dem Pfad zum Griesgletscher bewundern
Der Griesgletscher, oder das was noch davon übrig ist. 2001 reichte die Gletscherzunge noch bis an den Griessee hinunter. Heute ist er schon deutlich zurückgegangen, was sich in nächster Zeit wohl auch nicht ändern wird.

Auf der Tessiner Seite kurz vor der Passhöhe liegt eine riesige Wiese, geprägt mit grossen und kleinen Felsbrocken, sowie einigen kleinen Teichen und Seelein dazwischen. Ein wunderbares Gebiet für uns! Viele spannende Felsen, die so einige Mineralien verbergen könnten. Mogli konnte sich immer wieder abkühlen und mit uns zwischen den Felsen herumklettern, während wir alles ausgiebig begutachteten.

Der Ritomsee mit sicht in Richtung Staumauer
Eine der vielen kleinen Wasserstellen auf dem Nufenenpass

Späht Nachmittags mussten wir uns dann aber wieder auf die Heimreise begeben. Natürlich verlassen wir diese grossartigen Regionen immer nur schweren Herzens. Doch wir freuen uns bald wieder zurück zu kommen. Zudem müssen wir unsere Pläne voran treiben, damit wir so bald wie möglich endgültig auf Reisen gehen können.

Eine alte schwarz gelbe Postkutsche mit vier Pferden
Auch sowas hier bekommt man tatsächlich noch zu sehen! Diese Postkutsche kommt gerade den Gotthardpass herunter.
Auch das war wieder ein überraschender Fund! Eine alte Manöver-Patrone, welche in der Wiese lag.
Auch dieser überraschende Fund hat uns begeistert! Eine alte Manöver-Patrone, welche in der Wiese lag.

 

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