„Waaasss?!?? Ihr besitzt wirklich keinen Kühlschrank? Geht das überhaupt?! 😀 Diese Worte, wie auch die weit aufgerissenen Augen sind für uns mittlerweile völlig normal, wenn wir von unserem kühlschrankfreien Zuhause berichten. Deshalb möchten wir euch mit diesem Beitrag unseren kühlschrankfreien Alltag etwas näher bringen und zeigen, dass dies durchaus problemlos funktionieren kann.

Unsere Küche ist nahezu fertig. Die Kochstelle, die Arbeitsplatte, das Abwaschbecken mit fliessendem Wasser, die Schränke und die noch improvisierten Regale sind an ihrem Platz. An einigen Stellen möchten wir noch etwas erweitern oder verbessern, jedoch sind wir mit der Grundkonstruktion sehr zufrieden. Da wir unseren Haushalt stark reduziert haben und somit wahrscheinlich weniger Küchenutensilien besitzen wie andere, ist unsere Küche minimalistisch und praktisch gestaltet. Nach 150 Tagen in Gebrauch muss ich eingestehen: Ich liebe unsere minimalistisch, plastikarme Küche 😀 Klein aber fein 😉 Ursprünglich wollten wir den Platz zwischen Bad und Küchenzeile für einen Schrank mit eingebautem Kühlschrank nützen. Weil uns das Geld beim Einzug für den Kühlschrank fehlte und wir uns noch nicht sicher bezüglich der Art der Kühlung waren (Gas, Strom, etc.), verzichteten wir kurzerhand auf unseren geplanten Kühlschrank und bauten aus übrig gebliebenen Holzteilen einen improvisierten Schrank ohne Kühlung. Wir möchten diesen Schrank nach dem Umbau unseres Bades neu gestalten und dann für den endgültigen Gebrauch ausbauen.

Anfangs war es ungewohnt ohne Kühlschrank zu leben. Wohin mit der offenen Milch oder den Essensresten? Schritt für Schritt begannen wir umzudenken und nach Alternativen zu suchen.

Seit wir darauf achten Plastik so gut wie möglich zu meiden, kaufen und konsumieren wir weniger und bewusster Milchprodukte. Ich kaufe nur so viel Bio- oder Demetermilch ein, wie ich am selben Tag verarbeite. Genauso handhabe ich es mit Yoghurt oder Käse. Den Parmesan für Pasta und Co. besorge ich kurz vor dem Essen offen an der Käsetheke. Für unsere Butter habe ich eine geniale Lösung gefunden, welche ich euch nur herzlichst empfehlen kann! Es ist eine alte Technik, die schon früh vor der Erfindung des Kühlschranks genutzt wurde. Eine französische wassergekühlte Butterdose aus Keramik. Diese geniale Lösung habe ich im Shop von Nurpur entdeckt. Maja, die Inhaberin von Nurpur, gibt sich wirklich sehr Mühe ihren Shop stets zu erweitern und ihre Kunden mit nachhaltigen Produkten zu erfreuen. Die Dose aus ihrem Shop wird von hermans-keramik in Deutschland von handgefertigt. Das Ehepaar benützt für die Glasuren selbst gefertigte, cadmium- und bleifreie Farben aus Asche nach eigener Rezeptur. Die Butter wird in ein Gefäss, welches ein Bestandteil des Dosendeckels ist, im weichen Zustand fest reingeschmiert. Dieser Deckel verschliesst den unteren mit Wasser gefüllten Teil der Dose. Dadurch hängt die Butter kopfüber im Wasser und bleibt hygienisch sauber. Die Berührung mit Sauerstoff bleibt aus und das Ranzen der Butter wird somit verhindert. Das Wasser tauscht man alle zwei-drei Tage aus. Dies macht die Butter nicht nur streichzart, sondern hält diese auch frisch. Da unsere Raumtemperatur im Bauwagen bzw. in den Schränken des Wagens, in diesem extremen Sommer auf dem Parkplatz nie über 27 Grad Celsius stieg, haben wir eine wirklich ideale, plastikfreie und ressourcenschonende Lösung zur Aufbewahrung unserer Butter gefunden. Sollte die Raumtemperatur über 27 Grad Celsius steigen, müsste die Butterdose in den Kühlschrank gestellt werden. Die Dose kann ebenso gut auch mit Veganer Butter benützt werden. Die ideale Lösung für uns!

Unsere neue französische wassergekühlte Butterdose aus Keramik
Wir sind Fan von der stets streichzarten Butter ohne elektrische Kühlung

Damit nach dem Kochen kein Essen übrig bleibt, musste ich lernen genauer zu dosieren. Nach ein paar Versuchen, gelingt es mir heute geeignete Portionen zu kochen, sodass nichts übrig bleibt. Haben wir spontan Hunger auf noch mehr, bietet unser Vorrat an Trockenprodukte genügend Auswahl. Wenn wir Dips oder Saucen wie Ketchup oder Senf benötigen, stellen wir diese kurzerhand von Hand her und nur so viel, wie wir gerade brauchen. Alternativ besorgen wir uns diese Zutaten vorab im verpackungsfreien Laden. Diese Art einzukaufen bietet uns die Möglichkeit genau so viel zu kaufen, wie wir gerade benötige. Früchte und Gemüse kaufen wir ein bis zwei Mal die Woche frisch auf dem Markt und lagern diese anschliessend einfach in einem Baumwollbeutel im untersten Fach der Küche. Dort ist es angenehm kühl und dunkel. Weil wir Früchte und Gemüse schnell konsumieren, bleiben bei uns sogar die Kartoffeln oder auch der Salat ausreichend lang frisch und müssen nicht gekühlt werden.

Wir trinken sehr wenig Alkohol und benötigen deshalb kein gekühltes Alkohollager. Ab und an hole ich uns ein kühles Bier aus der Glasflasche auf dem Heimweg der Arbeit im Bioladen. Ansonsten lieben wir es ungekühltes Wasser aus der Glasflasche zu trinken. Kommt Besuch vorbei, besitzen wir eine elektrische Kühltruhe. Jedoch haben wir diese noch nie benützt, trotz regem Besuch xD Regionale Fruchsäfte bekommen wir in Glasflaschen auf dem Markt und halten nie lange an 😉 Kürzlich haben wir mit dem Versuch Milch aus Hanfnüssen selbst herzustellen begonnen und brauchen nun keine gekühlte Milch für das Frühstücksmüsli mehr. Unsere Bio-Eier lagern wir im Eierkarton und drehen diesen jeden zweiten Tag um. So halten diese um einiges länger. Da ich Fleisch und dessen Geschmack nie wirklich mochte, verzichte ich schon länger darauf. Für Manu bereite ich jedoch ab und an, vorab frisch beim Bio-Bauern oder Bio-Metzger des Vertrauens offen gekauft, ein bewusst gewähltes Stück Fleisch frisch zu. Übrig bleibt da nie was 😉 Erstaunlicherweise fehlt uns nicht einmal gross das Tiefkühlfach. Da wir Verpackungen meiden, kommen Pizza und andere Tiefkühlprodukte für uns nicht mehr in Frage. Vor unserem Umzug habe ich oft und gerne Brot gebacken. Bislang besitzen wir noch keinen Ofen, deshalb kaufe ich unser Brot bei der Ässbar in Winterthur oder beim Biobäcker ein und brauche keinen Tiefkühltruhe mehr um Brot einzufrieren. Wenn uns manchmal zur später Stunde die Lust auf ein selbst gemachtes Eis packt, vermissen wir unser altes Eisfach jedoch durchaus 😉

Wie ihr aber seht, fällt es uns mittlerweile relativ leicht auf einen Kühlschrank zu verzichten. Zusätzlich verbrauchen wir dadurch weniger Strom und können diesen anderweitig nützen. Wir verstehen durchaus den Vorzug eines Kühlschrankes und möchten diese Erfindung nicht verurteilen oder auf eine schwarze Liste setzen. Den auch wir durften den Luxus eines Kühlschrankes bis vor ein paar Monaten täglich nutzen und geniessen. Mittlerweile sind wir jedoch der Meinung, dass ein Alltag wie wir ihn führen, durchaus auch ohne Kühlschrank zu bewältigen ist und überlegen uns tatsächlich, ob es für uns wirklich nötig ist, einen Kühlschrank in unseren Bauwagen einzubauen. Für unseren Umbau im Mowag werden wir wahrscheinlich wieder auf eine Kühlmöglichkeit zurückgreifen, da wir uns öfters über längere Zeit abseits befinden werden.

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