Die Zeit vergeht wie im Nu! Mittlerweile sind wir bereits über einem Monat unterwegs und leben für unbestimmte Zeit in unserem Van. „De Mowag“ ist noch lange nicht so weit ausgebaut, wie wir es gerne hätten, doch langsam haben wir uns an den „nicht-fertigen-Zustand“ gewöhnt und arrangieren uns mit dieser Situation im Alltag.

Als wir Anfangs März die Schweiz verließen, kam einiges zusammen. Wir arbeiteten Tag und Nacht an der Betreuung und Durchführung des Swiss Arctic Project. Zeitgleich am Umbau des Mowags und an den Vorbereitungen für unsere Abreise und den Umzug in den Van.

Bereits nach dem Auszug aus dem Bauwagen wussten wir: Es wird richtig knapp! Geplant war höchstens eine Woche bei Stephan auf dem Sofa zu nächtigen und dann endlich loszuziehen, damit wir genügend Zeit hatten, um das geplante Hundeseminar rechtzeitig zu erreichen. Leider zog uns der langanhaltende Schweizer Winter einen Strich durch die Rechnung und erschwerte uns die Vollendung des Mowag. Manu setzte alles daran, den Einbau irgendwie fertig zu stellen. Es gelang ihm kurzfristig eine überdachte Halle zu finden, in der wir sogar in der Nacht arbeiten durften. So weit so gut. Es sah so aus, als ob wir mit dem Ausbau doch noch halbwegs fertig werden. Doch wie wir allmählich wissen, kommt’s meistens nichts so, wie ursprünglich geplant xD Daran haben wir uns bereits gewöhnt und sind mittlerweile Profis im improvisieren.

Das Swiss Arctic Project ist ein aussergewöhnliches Projekt! Wir freuen uns riesig, dass wir mit unserer Arbeit zu dessen Erfolg beitragen können

Das Voting des Swiss Arctic Project startete viel besser, als wir uns jemals erträumen konnten. Hunderttausende Menschen begeisterten sich für dieses einzigartige Projekt und beanspruchten uns in größerem Umfang, als geplant. Wir arbeiteten von früh morgens bis spät abends am Projekt und erledigten nebenbei alle bürokratischen Anliegen, die so anstehen, wenn man ein Land für unbestimmte Zeit verlässt.
In der Nacht ging’s dann mit dem Umbau des Mowags weiter. Oftmals gelang es uns nur drei bis vier Stunden daran zu arbeiten, bevor wir morgens beinahe schlaflos für das Swiss Arctic Project weiter arbeiteten. Dies war kein einfache Zeit für uns und wir kamen definitiv an unsere Grenzen.

Weil das fast 800 km weit entfernte Seminar für die nächsten sechs Monate komplett ausgebucht war, mussten wir uns an dieses Datum halten und bekamen langsam kalte Füsse, ob wir es überhaupt irgendwie schaffen würden, zeitnah in den Mowag einzuziehen.

Drei Tage vor der geplanten Abreise wurde uns klar: Wir werden definitiv nicht so weit kommen, wie wir es ursprünglich geplant hatten. Manu ärgerte sich, den Umbau nicht so professionell durchzuführen, wie er es eigentlich können würde. Seine Schreiner Fähigkeiten haben sich in den letzten Jahren wirklich vorbildlich weiterentwickelt und er arbeitet sehr gewissenhaft. In dieser kurzen Zeit war es allerdings nicht möglich, sein Talent vollumfänglich zu nutzen. Wir bemühten uns das Bett, die Wasser- und Stromversorgung fertig zu kriegen und ließen die Detailarbeiten zu Manus Ärger außen vor.

Als ich dann am Tag der Abreise noch Fieber bekam und wir erst zwei Tage später losfuhren, waren wir so gestresst, wie schon lange nicht mehr. Wir verloren kurzzeitig den Zweitschlüssel des Vans und stritten uns öfters, als üblich. Schlussendlich fuhren wir die 800 km in zwei Tagen ausschliesslich auf der Autobahn und bekamen nicht viel mit von der schönen Landschaft.

Die ersten Tage am Seminar konnten wir noch nicht so richtig genießen und realisierten nicht, dass unser Abenteuer nun begonnen hat. Da wir die Standheizung zeitbedingt noch nicht einbauen konnten, war es zu dieser Jahreszeit richtig kalt in unserem Van. Glücklicherweise halfen uns die Seminarleiter Meli und Kusi mit einem kleinen „Heizöfeli“ und dem notwendigen Stromanschluss aus und es wurde kuschelig warm in unserem Van. Ich erholte mich langsam von der Grippe und wir fingen an die Zeit in Frankreich zu genießen. Anfänglich war es für uns gar nicht so einfach, uns im unvollendeten Van zu organisieren: Ständig suchten wir nach Dingen, welche noch nicht ihren geplanten Platz eingenommen hatte oder nervten uns über die nicht vorhandenen Schranktüren. Es fehlten uns Regalablagen und Stauraum in jeglicher Weise. Wir improvisierten und verbrachten die erste Zeit oft in grimmiger Stimmung. Ständig explodierte einer von uns wegen Kleinigkeiten und wir lernten uns als Paar, nach fünf Jahren Beziehung, erneut auf andere Weise kennen.

Das Seminar dauerte eine Woche und wir entschieden uns, noch eine weitere dort zu bleiben, um den Hofbesitzern im Wald und Garten auszuhelfen. Endlich begannen wir abzuschalten und begriffen: Es ging los!

Die zwei Wochen in der Nähe von Clermont Ferrand waren wirklich eindrücklich und wir durften sehr viel für unseren weiteren Weg mitnehmen! Lieben Dank dafür Meli und Kusi! 😉 Wir wurden ruhiger und gelassener und akzeptierten den unvollständigen Zustand des neuen Zuhause. Plötzlich verliefen sich die Streitereien im Sand und wir fanden als Paar wieder näher zueinander.

Nach diesen aussergewöhnlichen ersten zwei Wochen zog es uns in den Süden von Frankreich. Wir wollten raus aus der Kälte und nach längerer Zeit das Meer sehen und das Busleben in vollen Zügen genießen.

Immer der Nase nach, zog es uns Richtung Südküste von Frankreich. In der Nähe von Nîmes fanden wir abgelegene Stellplätze und blieben in dieser Region. Wir erfreuten uns über die gemeinsame Zeit auf vier Rädern und bekamen die Luft der gewählten Freiheit langsam aber sicher zu schätzen. Als wir genug von dieser eindrücklichen, allerdings sehr abfallproblematischen Stadt hatten, entschieden wir uns weiterzuziehen.

Kleine Strassen, grosser Van! Beim Bau von Nîmes hat niemand an einen amerikanischen Van gedacht 😉

Auf Rat von Joachim von Famous Water besuchten wir einen abgelegen Strand, welchen wir mit dem Mowag ganzflächig befahren konnten! WOW! was für eine Aussicht und eindrückliche Schotterpiste! Genau so hatten wir unser Abenteuer immer vorgestellt! Morgens und Abends direkt am Meer aufzuwachen und die Geräusche der Natur in vollsten Zügen zu erfahren. Trotz heftiger Mückenplage konnte uns nichts die Stimmung verderben. Wir waren glücklich und dankbar im Hier und Jetzt zu sein.

Eine unbezahlbare Aussicht direkt vor unserem Van

Angekommen am Strand erwarteten uns einige Einheimische, welche dort über das Wochenende eine Geburtstagsparty feiern wollten. Völlig offen und freundlich luden sie uns zu einem Drink mit ihnen ein, wir unterhielten uns mit Händen und Füssen und halfen schlussendlich ein riesiges, altes Militärzelt aufzustellen, welches als Schlafplatz für ca. 30 Personen dienen sollte. Nach dieser aussergewöhnlichen Begegnung stellten wir dann unseren Mowag etwas näher ans Meer und verbrachten die erste Nacht direkt am Strand von Südfrankreich.

Kurz nachdem wir unseren Schlafplatz eingerichtet hatten, hörten wir lautes Motorengeheule und Stimmen hinter einer Sanddüne.
Zwei weitere Schweizer Reisende hatten sich in einem Wasserlauf festgefahren und kamen nicht mehr vom Fleck. Ihr alter VW LT Bus schaffte es nicht mehr aus dem tiefen, matschigen Wasserlauf. Die Front stand bereits über 50 cm im Wasser und in einer ziemlich schiefen Lage. Kurzerhand versuchten wir ihnen aus dieser misslichen Lage zu helfen. Nach geschätzten 100 Versuchen und unzählig gerissenen Abschleppseilen, waren über zwei Stunden vergangen. Die zwei aus der Romandie stammenden Schweizer hatten sie sich so tief im Sand festgefahren, dass sogar unser Mowag mit 4×4 und Untersetzung keine Chancen auf dem nassen Sand hatte, sie aus diesem Loch zu ziehen. Es fehlte schlichtweg an genügend Traktion auf dem Untergrund und an einem richtig starken Stahlseil oder Bergegurt. Als es dann dunkel wurde, blieb uns nichts anderes übrig, als auf den Pannendienst zu warten.

Diesem VW LT Bus konnte nur noch ein starker Bagger helfen. Trotz 4×4 und Untersetzung hatten wir einfach zu wenig Traktion

Am nächsten morgen stellte sich heraus, dass die Helfer des Pannendienst sich nicht getrauten in diese abgelegen Region hinauszufahren, um den zwei Festgefahrenen zu helfen. Glücklicherweise befand sich in der Nähe ein winziger Fischerort. Die beiden Schweizer konnten einen Arbeiter aus dem kleinen Dorf überzeugen, ihnen aus ihrer misslichen Lage zu helfen. Mit einem riesigen baggerähnlichen Traktor zog der Einheimische den VW Bus problemlos aus dem tiefen Wasserlauf. Danach begleiteten wir die zwei bis zur nächsten Tankstelle. Da der Motor über die ganze Nacht hinweg fast komplett im Wasser stand und dabei die Elektronik einiges gelitten hatte, wollten wir sie den langen Rückweg ins nächste Dorf nicht alleine bewältigen lassen. Zudem hat die Bergungsaktion die letzten Reserven unseres Benzintanks benötigt und wir waren nicht sicher, ob wir es mit unserem Van zur nächsten Zapfstation schaffen würden. Auf dem Rückweg wurden wir oft zum Anhalten gezwungen und überbrückten mehrmals den in die Jahre gekommenen Bus. An der Tankstelle angekommen, willigte der Pannendienst ein, ihnen aus der brenzligen Lage zu helfen und wir machten uns mit einem vollen Tank auf den Weg.

Danach zog es uns in Richtung Süden. Immer entlang der französischen Küste, überquerten wir die Grenze zwischen Frankreich und Spanien bei Cerbère. Die Küstenstrasse führte durch Serpentinen durchzogene Hügel und ließ uns stets über die grandiose Aussicht staunen. Unzählige Rebberge begleiteten uns auf diesem Weg und wir fragten uns, wie diese steil angelegten Felder bloß bewirtschaftet werden können. Die Strasse verlief direkt an der Küste; beidseitig ging es steil nach oben und nach unten. Unser Mowag passte gerade so zwischen den Hügel durch und wir stoppten gelegentlich, um ein eindrückliches Bild zu schießen. Das Wetter änderte sich allmählich und es wurde deutlich wärmer. Die erste Nacht verbachten wir auf einem scheinbar verlassenen Campingplatz direkt an der Küste mit Weitblick auf das Mittelmeer. Ein Traum für jeden Freisteher! Der Vollmond bat uns einen spektakulären Blick über die Bucht und wir fielen glücklich in den Schlaf.

Hätten wir nicht gehen müssen, wären wir wohl nicht nur eine Nacht geblieben 🙂

Am nächsten Morgen wurden wir unsanft von der Polizei geweckt. Uns wurde erklärt, dass dieser Campingplatz nicht verlassen, sondern nur vorübergehend geschlossen sei. Doch uns wurde zugesichert, dass es kein Problem wäre, wenn wir noch einige Tage dort blieben. Eine Stunde später standen die selben freundlichen Polizisten erneut bei unserem Van und teilten uns mit, dass wir den Platz nun doch verlassen müssten. Ohne zu zögern, ließen wir diesen speziellen Ort hinter uns.

In Spanien angelangt fuhren wir entlang der Costa Brava bis nach Palamós. Auf dieser Route ändert sich die Natur abermals und der mediterrane Einfluss war deutlich zu spüren. Pinienwälder und Palmen soweit das Auge reicht. Unzählige kleinen Buchten und zahlreiche steile Klippen laden zu intensiven Wanderungen und sportlichen Aktivitäten ein. Wir fanden diverse Stellplätze in der Natur und einige eindrucksvolle Schotterpisten. Ungefähr 1.5 Wochen verbrachten wir in dieser schönen Gegend und vergaßen teilweise, welchen Wochentag wir gerade hatten oder wie der Ort hieß, wo wir uns gerade aufhielten.

Eine wunderschöne Bucht nach der anderen. Die Costa Brava hat wirklich viel zu bieten!

Allerdings waren bereits zu dieser Zeit einige Wanderer, einheimische Biker und Fischer, sowie diverse deutsche Touristen vor Ort. Deshalb befanden wir uns meist nicht sehr lange allein in diesem Paradies.

Wir haben das Hundeseminar nicht grundlos besucht und arbeiten intensiv daran, Mogli artgerecht zu führen. Dabei spielt Ruhe und Bestimmtheit ein zentrale Rolle. Dies ist an belebten und lauten Plätzen nicht immer so einfach umzusetzen. Die zahlreichen äußeren Einflüsse und Reize, lassen ihn fast nicht zur Ruhe kommen. Zudem ist uns aufgefallen, dass die Franzosen und Spanier ihre Hunde gerne freilaufen lassen, obwohl sie in keinster Weise gehorchen xD Deshalb entschieden wir uns arg belebte und touristische Gegenden zu meiden und zogen ins Landes Innere. So sollten wir besser zur Ruhe kommen, um Mogli die nötige Sicherheit und Kontrolle bieten zu können.

Wir suchten uns einen Stellplatz in der Nähe eines eindrückliche Stausees namens Pantà de Sau. In mitten dieses Stausees steht immer noch die Kirche des ehemaligen Dorfes. Dieses wurde vor vielen Jahren umgesiedelt, bevor dieser Stausee angelegt und das Dorf geflutet wurde. Heute dient der See als Hauptwasserversorgungsquelle von Girona. Über Google Maps sah dieser Ort sehr abgelegen und vielversprechend aus. Im Internet wurde außerdem erwähnt, dass nur in der Hochsaison viele Wanderer unterwegs seien und in der Nebensaison alle Restaurants und Hotels geschlossen sind. So weit so gut 😀

Pantà de Sau, unser erstes Video wurde hier gedreht 🙂 Bald werdet ihr mehr dazu erfahren!

Allerdings sah die Wirklichkeit nach dem zweiten Tag etwas anders aus. Spät abends tauchten diverse Fischer und Fischerboote auf, um im weitläufigen Stausee zu angeln. Wir entschieden uns an einem steil abfallenden Platz zu positionieren, in der Hoffnung, dass sich niemand anders wagte, dort hinunter zu fahren.

Am zweiten Morgen wurden wir von lautem Gelächter geweckt und fragten uns, was los war. Eine Art Pfadi Gruppe hatte sich in der Nähe unseres Autos versammelt und feierte ein großes Fest bis spät in der Nacht. Wie wir bereits feststellten feiern Spanier voller Emotionen und das in höchster Lautstärke. Bis zum Morgengrauen wurde getanzt, gesungen und ausgiebig gefeiert xD

Früh morgens nutzen wir die Zeit um endlich unser erstes Video für unser nächstes Projekt zu drehen. Zwischen Kinderlachen und dem Geschrei pubertierender Jugendlicher gelang es uns knapp, den Spot zu drehen.

Nach drei Tagen entschieden wir, aufgrund der nicht erhofften Ruhe und diverser Termine, uns langsam wieder Richtung Frankreich aufzumachen. Wir haben uns nicht nur ein wenig in Frankreich verliebt, sondern haben vor unserer stressigen Abreise einiges in der Schweiz stehen und liegen gelassen. Deshalb kehren wir vor der Reise Richtung Norden für ein paar Wochen in die Schweiz zurück, bevor wir uns über Deutschland Richtung Dänemark, Schweden und Norwegen machen.

In Frankreich gelang es uns abgelegener Plätzchen zu finden und das Training mit Mogli besser durchzuführen. In der Hoffnung noch weitere solche Orte zu finden, waren wir begeistert die französische Grenze in den Bergen zu überqueren.

Zurück in Südfrankreich. Auf einem einsamen Parkplatz direkt am Strand haben wir einige Tage verbracht und fleissig gearbeitet

In Frankreich angekommen fanden wir einen kleinen aber gut ausgestattet Küstenort. In der Nebensaison ist hier praktisch nichts los. Die Strassen sind leer und täglich machen die wenig geöffneten Läden von 12.30-16.00 Uhr Siesta 😀 Der perfekt Ort für uns und unser Vorhaben. Nun stehen wir seit vier Tagen an der französischen Küste in Leucate und freuen uns über das „Mondial du Vent“. Dies ist ein Surf und Kitsurf Festival, welches wir besuchen werden und hoffen vielleicht ein günstiges StandUpPaddling Board zu ergattern 😉 Wir halten euch auf dem Laufenden.

Es gibt noch so viel mehr zu erzählen. Unsere erste Reifenpanne, der stetig andauernde Ausbau unseres Van, ein Leitungsbruch in unserem Wassersystem, ein mit Quallen überzogener Strand oder unangenehme Begegnungen mit Menschen, die in der Nacht unserem Van zu nahe kamen. Doch an dieser Stelle würde das zu weit gehen 🙂 Wir werden euch aber noch mehr erzählen und weitere Geschichten aus dieser Zeit mit euch teilen!