Wir hatten eine wunderbare Zeit in Südfrankreich. Nach einem längeren Aufenthalt in Leucate verlief unsere Route zurück in die Schweiz durch einige spannende und überwältigende Regionen Frankreichs. Erneut durften wir die wunderschönsten Ecken in diesem Land entdecken. 

Zwei Wochen in Leucate

In Leucate an der Küste Südfrankreichs verbrachten wir fast zwei Wochen. Dieser kleine Küstenort ist in dieser Jahreszeit (April) definitiv ein Besuch wert. Zur Hochsaison ist hier wohl einiges los, aber zur Nebensaison wirken ganze Stadtteile wie Geisterstädte. Im Juli und August werden aus den rund 4’000 Bewohnern, die dauerhaft in dieser Stadt leben, über 60’000 Menschen, die vor allem in der Ferienüberbauung Port Leucate zu finden sind.

Die Mehrheit der Bewohner leben in Leucate Village, eine wirklich gemütliche Altstadt, welche an die felsige Erhebung von Cap Leucate gebaut wurde. Entlang der Avenue Jean Jaurès, der engen Hauptstrasse durch diesen Stadtteil, findet man viele kleine aussergewöhnliche Läden.

Bio Lebensmittelgeschäfte sind in Frankreich sehr verbreitet, so haben wir ebenfalls in dieser Ecke einige Bio-Läden gefunden. Biomonde bietet eine grosse Auswahl an Produkten und noch besser: Vieles kann unverpackt eingekauft werden! Gemüse, Früchte, Kekse und sogar Öle kannst du in deine eigene Gefässe abfüllen. Auch der „Aliments-Terre“ bietet eine spannende Auswahl an Produkten. Kleider, Schuhe, Aleppo Seife, Gebäck oder Bio Gewürze, sogar Schmuck konnte man da finden. Da haben wir zum ersten Mal unverpackte Miswak-Zweige und abfüllbare Henna Farbe gefunden!

Rund um diese Stadt baten sich einige Möglichkeiten, unseren Van für eine oder sogar mehrere Nächte zu parkieren. Ein nicht ganz so hohes Fahrzeug wäre aber von Vorteil gewesen 😉 Viele schöne Plätze sind für Fahrzeuge über 2.20m durch einen Balken über der Einfahrt abgesperrt. Nach kurzer Suche fanden wir einen Parkplatz in der Nähe des Meeres. Ein Verbotsschild für Alkoven-Mobile an der Zufahrt irritierte uns zu Beginn ein wenig. In der Annahme, dass dieses Verbot unseren Van nicht einschließt, fuhren wir dann aber einfach weiter. Auf dem nahe liegenden Platz hinter den Dünen haben wir mehrere Nächte verbracht. Immer mal wieder kam die Gendarmerie auf einen Kontrollblick vorbei, doch sie schienen nicht gestört durch unsere Anwesenheit und fuhren zügig weiter.

Auch am Étang de Leucate, ein Brackwassersee, der nur durch einen schmalen Landstreifen vom Meer getrennt ist, entdeckten wir schöne Spots im Grünen. Die meisten dieser Plätze waren bereits ziemlich gut besucht, dass wir uns oftmals entschieden weiter zu suchen. Gerne hätten wir eine Nacht in der Region Cap Leucate verbracht, leider besteht in dieser spannenden Naturzone aber nahezu überall ein Camping-Verbot.

Eines hatten fast alle dieser Stellplätze gemein: Es war sehr oft super windig! Die Strände von Leucate sind deshalb auch ein beliebtes Ziel für viele Wind und Kitesurfer. Hier finden jährlich die Europameisterschaften im Windsurfen statt.

Eine warme Dusche zu finden war in Leucate kein Problem. Im Hafen konnten wir, nachdem wir im Hafenbüro nett gefragt haben, gratis eine Dusche genießen. Nach Anfrage bei einem Camping Platz erfrischten wir uns ebenfalls gratis in ihren Sanitäranlagen. Auch im Hallenbad duschten wir gegen eine Eintritt von 3.70 Euro/Person. Die erste Woche war es oft sehr frisch und windig, wir freuten uns deshalb umso mehr über diese Möglichkeiten. Danach wechselte das Wetter und es wurde angenehm warm und teilweise sogar richtig windstill. Unter diesen Bedingungen ziehen wir meist eine Dusche im Freien vor 🙂

Wir planten während des Aufenthaltes eine Lieferung in Leucate bei der Post zu empfangen. Normalerweise soll das in Frankreich auch kein Problem sein. Uns wurde erklärt, dass man gegen eine Gebühr von 4 Euro ein Paket direkt zur Post liefern lassen und dort abholen kann. Das wollten wir so gleich ausnutzen und eine Bestellung in Empfang nehmen. Nach einigen Tagen des Wartens und zwei fehlgeschlagenen Versuchen das Paket zuzustellen, wurde uns aber bewusst, dass etwas nicht funktionieren will. Nach einigen E-Mails und Telefonaten war klar, es geht nicht. Der Kurierdienst, welcher unser Paket zustellen sollte, kann nicht an eine Poststelle ausliefern. Nach einigem Hin und Her und vielen Diskussionen mussten wir diesen Versuch aufgeben und die Bestellung an Freunde in der Nähe von Aurillac senden lassen, damit wir diese empfangen konnten. Ein Besuch bei dem befreundeten Paar und ihrem Hof stand ohnehin auf dem Plan. Da der Zustand unserer Reifen zu wünschen übrig ließ, nutzten wir die Gelegenheit und bestellten uns im gleichen Zug einen neuen Satz Reifen an dieselbe Adresse.

Von Leucate über den Naturpark Haut-Languedoc durch die Gorges du Tarn bis nach Aurillac

In Leucate gestartet ging es als erstes in Richtung Regionaler Naturpark Haut-Languedoc. Ohne uns gross zu informieren sind wir einfach spontan in diese Richtung gefahren und suchten da nach einem schönen Platz für die Nacht. Auf Google Maps haben wir einen kleinen Stausee in den Bergen entdeckt; den Lac de Vezoles, welchen wir auch gleich als Ziel definierten. Beim See angekommen sind wir auf überraschend viele Menschen gestossen. Trotz der deutlich tieferen Temperaturen war einiges los. Beim Umfahren des Sees auf ziemlich kleinen Strassen, teilweise nicht asphaltiert, konnten wir dann aber einen versteckten, abgelegenen Platz finden und unsere Ruhe genießen. Zu dieser Jahreszeit wird es in dieser Höhe noch richtig kalt in der Nacht. Wir besitzen glücklicherweise genügend Schlafsäcke und Decken, sodass wir zu keiner Zeit frieren mussten.

Weiter ging es in die Cevennen zur Gorges du Tarn, eine echt spektakuläre Region! Die schmale Strasse läuft entlang der Tarn, welche diese 400m bis 500m tiefe Schlucht gebildet hat. Von Le Rozier bis Sainte-Enimie sind wir der Schlucht gefolgt. Diese Strecke ist einfach nur atemberaubend schön. Da wir auf der Durchreise waren, hatten wir leider keine Zeit all die faszinierenden Ruinen, kleinen Strände und teilweise riesigen Höhlen zu besichtigen. In La Malène entschieden wir uns nach langer Zeit mal wieder einen Camping-Platz aufzusuchen . Der kleine Camping Municipal Le Pradet direkt am Fluss und mitten in dem kleinen Ort war noch praktisch leer und bot uns eine richtig heisse Dusche. Ein Komfort den wir ab und zu gerne genießen 😉

Am nächsten Tag sind wir noch bis Sainte-Enimie in der Gorges du Tarn weiter gefahren, bevor es dann raus aus der Schlucht in Richtung Département Cantal weiter ging. Hier ändert sich die Natur komplett. Aus Schluchten und Gebirgen werden unendliche Hügellandschaften überzogen mit Weideflächen und Feldern. Viele winzige Gemeinden und dazwischen unzählige kleinere und grössere Bauernhöfe mit wunderschönen Häusern bedeckt mit faszinierenden Steindächern. Hier einen Platz für die Nacht zu finden ist kein Problem. Ein ganzes Stück von der kaum befahrenen Strasse entfernt, entdeckten wir einen kleinen mit Schotter bedeckten Platz auf einem Hügel zwischen den Feldern, erreichbar über eine kleinen Feldweg. Einzig zwei Bauern sind an diesem Tag noch an uns vorbei gekommen. Doch keiner von beiden schien es zu stören, dass wir dort standen. Am nächsten Tag ging es dann die letzte Stunde Fahrt bis zum Hof der Freunde.

Zwischen Hühnern und Alpakas auf dem Hof

Dieser Hof bietet wirklich ein schönes Ambiente für Menschen wie uns. Im Garten konnten wir unseren Van unter einem Baum und neben einem Rhabarber Gewächs parkieren. Die meiste Zeit halfen wir den beiden im Garten und warteten auf unsere Lieferungen. Zum Glück hat hier dann auch alles funktioniert und sogar unsere Reifen sind angekommen 🙂 In der Nähe fanden wir dann auch eine Werkstatt, welche die Reifen montierten. Das war nicht ganz einfach, da viele Garagen in dieser Region nur noch Reifen montieren, die bei ihnen bezogen werden.

Zurück in die Schweiz

Nach einigen Tagen auf diesem abgelegenen Hof sind wir dann weiter gezogen in Richtung Schweiz. Ziemlich direkt (aber ohne Maut-Strassen) haben wir die 900km bis in die Schweiz in drei Tagen zurück gelegt.

Hier in der Schweiz steht nun einiges an Arbeit für uns an. Wir werden aber nicht lange hier bleiben. Wenn alles gut läuft sind wir Ende diesen Monat wieder unterwegs Richtung Norden. Da wir hier in der Schweiz keine Wohnung oder ähnliches mehr haben, werden wir natürlich in unserem Van leben und euch weiterhin daraus berichten 🙂