Bevor wir über die Grenze nach Dänemark gezogen sind, verbrachten wir eine Nacht und einen Tag am Strandparkplatz von St. Peter-Ording. Wir wussten nicht viel über diesen Strand, außer dass es der einzige befahrbare Strand in Deutschland ist. Doch ein Frage stand über allen anderen: Dürfen wir auf diesem Strand übernachten?

Es war schon relativ spät abends, als wir an diesem in Deutschland wohl gut bekannten Strand eintrafen. Einige Fahrzeuge standen noch auf dem Sand. Vom Strand-Buggy über den Kombi bis hin zu Wohnwagen und Wohnmobilen trafen wir alles an. Die Anzahl Fahrzeuge war überschaulich und verglichen mit dem, was uns am nächsten Morgen erwarten würde, harmlos! Die meisten Besucher waren in Aufbruch Stimmung und packten ihre sieben Sachen langsam zusammen. Wir entschieden uns einfach mal bis ganz nach vorne zu fahren und uns eine schöne Ecke zu suchen.

Es ist möglich sehr nahe ans Meer zu fahren, aber nicht ganz bis ans Wasser. Mit Holzpfählen wurde eine Absperrung für Fahrzeuge aufgebaut, sodass niemand bis ganz nach vorne fährt. Wahrscheinlich sind schon zu viele Fahrzeuge der Flut zum Opfer gefallen, damit diese Massnahmen notwendig wurden.

Mit ein wenig Abstand zu anderen Fahrzeugen stellten wir uns also an diese Grenze und liessen den Abend auf uns zukommen. Nach wie vor waren wir nicht sicher, in wie fern wir überhaupt auf diesem Strand übernachten dürfen. Wir entschieden uns vorerst eine Pause einzulegen und uns mit einem Abendessen zu stärken, sowie denn Sonnenuntergang am Meer zu genießen. Den Van umstellen und zu verschwinden, stand stets als Option bereit. Es war super windig, und auch ziemlich kühl und bewölkt, doch wir hatten Glück und durften einen traumhaften Sonnenuntergang erleben. Auch die vielen Wespen, die um unsere Köpfe schwirrten, konnten uns bei diesem Panorama die Stimmung nicht verderben.

Übernachten erlaubt, oder doch nicht?

Nach einer kurzen Recherche im Internet hatten wir dann auch die Antwort auf unsere Frage: Nein, auf dem Strandparkplatz St. Peter-Ording darf offiziell NICHT übernachtet werden. Von 23:00 bis 06:00 Uhr gilt ein Parkverbot! Wer gegen dieses Regel verstösst, wird beim ersten Mal mit einer 30 Euro Rechnung gebüsst. Im Wiederholungsfall kann diese Gebühr auch noch teuerer werden. Ein wenig irritiert waren wir aber dennoch. Es war schon ziemlich spät und noch immer standen auf dem ganzen Strand verteilt Fahrzeuge, die nicht den Anschein machten, dass sie noch weg fahren würden. Wir fragten kurzer Hand die Familie eines benachbarten Fahrzeuges mit Dachzelt-Anhänger, wie den ihr Plan aussehe. Immerhin wird man das Dachzelt wohl kaum nur für den Tag aufgestellt haben, oder nicht? Sie erzählten uns, dass sie vorhaben am Strand zu übernachten. Sie wissen von dem Verbot, doch es würde niemanden stören, wenn man da übernachtet. Aus Erfahrung wissen sie, dass man auch nicht geweckt oder weggeschickt wird. Wenn man Pech hat, befindet sich am nächsten Morgen eine 30 Euro Rechnung hinter den Scheibenwischern. Liegt viel Müll um das Fahrzeug, könne es auch mal teurer werden, da werden wohl auch Fotos zum Beweis gemacht.

Die Situation war ein wenig speziell. Das Parkverbot schien allen bekannt zu sein und doch wollte es sich niemand nehmen lassen, dort zu übernachten. Irgendwie auch verständlich,  es ist wirklich eine schöne Ecke für eine Nacht und nicht jeder mag es auf einem Campingplatz zu stehen. Zudem war die Busse kaum teurer als ein Camping-Platz in der Nähe. Es wirkte wie eine unausgesprochene Abmachung: Wer sich benimmt und alles sauber hinterlässt, kann eine Nacht da bleiben. Natürlich muss mit der Busse gerechnet werden. Es stellte sich dann auch heraus, dass viele Personen mit ihren Fahrzeugen mehrere Tage und Nächte an diesem Strand verbrachten, teilweise ohne eine Busse zu bekommen.

Wir entschieden, dass wir es auch versuchen und einfach mal eine Nacht stehen bleiben, da wir wirklich müde waren. Wir arbeiten derzeit sehr viel für das Swiss Arctic Project, oft bis spät in die Nacht. Da sich dieses Projekt gerade in vollem Gange befindet und wir die Online Kommunikation für diese Expedition betreuen dürfen. Dazu kam, dass wir an diesem Tag sehr lange gefahren und fast zufällig an diesem Strand gelandet sind. Wir mussten unseren letzten Platz wegen einer „Insekten-Plage“ verlassen und entschieden uns kurzer Hand den Strand einfach mal anzuschauen. Wir wurden dann auch nicht geweckt und fanden am nächsten Tag keine Busse unter den Scheibenwischern. Alles in allem war es also eine wirklich schöne Erfahrung. Auch wenn der nächste Tag ziemlich voll war an diesem Strand.

Am Tag darauf, kam schon relativ früh eine Person zum Einkassieren der Tagesgebühr vorbei. Sechs Euro für das Fahrzeug, sowie drei Euro pro Erwachsene Person kostet einen Tag parken auf St.Peter-Ording. Wir bezahlten also zwölf Euro für einen Tag am Strand. Hätten wir gewusst, wie sehr sich dieser Strand noch füllen wird, hätten wir wohl auf die Erfahrung verzichtet. Wir blieben also noch bis Abends und haben fleissig gearbeitet. Es war super windig, bewölkt und kühl, also nicht wirklich Badewetter. Da wir aber schon bezahlt hatten und viel Arbeit auf dem Tisch lag, entschieden wir uns noch bis zum Abend zu bleiben und danach weiter zu ziehen.

Übernachten am Strand – Ein Fazit

Das Fazit? Naja, es ist und bleibt ein Regelverstoss. Grundsätzlich versuchen wir uns an bestehende Gesetze zu halten. Doch oft gestaltet sich das bei unserem Lebens-Modell nicht ganz einfach und wir bewegen uns des öfteren in einem Graubereich. In diesem Fall, war die Ausgangssituation klar und wir hätten uns einen anderen Stellplatz suchen müssen. Da wir bei der Hinfahrt bei den meisten Parkplätzen ebenfalls Verbote für die Nacht fanden, entschieden wir uns hier zu bleiben und die allfällige Busse zu bezahlen. Regelmässige Camping-Platz besuche können und möchten wir uns gar nicht leisten. Wir müssen also auf ein gewisses Mass an Nachsicht hoffen. Wir achten daher auch wirklich darauf, dass wir alle Stellplätze sauber hinterlassen. Mehr noch, wir räumen die Plätze, die wir besuchen, auf und denken, dass es so mit einem gesunden Mass an Verstand auch OK sein sollte. Wie es in Dänemark mit dem Freistehen aussieht, werdet ihr dann im nächsten Beitrag erfahren.