Auf unserem Weg durch Norwegen sind wir mehr oder weniger zufällig bei der Hardangervidda gelandet. Eine gigantische Hochebene im Süden von Norwegen. Die E7 führt mitten über das Plateau und bietet eine spektakuläres Panorama. Eine bessere Route hätten wir für unseren Weg nach Bergen nicht wählen können.

Für uns gibt es fast nichts schöneres als Berglandschaften. Schroffe Felsen, eine unglaubliche Pflanzenwelt und vielfältige Tierwelt sind für uns die idealen Voraussetzungen für eine spannende Reise. Aus genau diesem Grund spürten wir schon lange das Verlangen nach Norwegen zu reisen. Zugegeben, die höchsten Gipfel in Norwegen sind mit etwa 2500m, verglichen mit den Schweizer Alpen, nicht wirklich hoch. Dafür kann dieses Land mit anderen Besonderheiten trumpfen. Wo sonst in Europa findest du eine 8000 Quadratkilometer große Hochebene?

Diese Hochebene ist ein Traum für lange Spaziergänge oder Wanderungen. Egal wo du dein Fahrzeug abstellst, überall befinden sich kleine Trampelpfade oder Wanderwege, die direkt in diese unwirkliche Natur führen. Wer Lust auf eine längere Wanderung hat, empfehlen wir den Weg zum Hardangerjøkulen, ein Gletscher im Norden des Plateaus.

Das harte Klima in dieser Region ließ eine ganz spezielle und spannende Pflanzenwelt entstehen. Bäume suchst du vergebens, die meisten Pflanzen und Gewächse sind nicht höher als 50cm. Pilze, Moose, Sträucher und Gräser ergeben eindrückliche Flächen in vielen verschiedenen Grüntönen, welche sich über hunderte Kilometer erstrecken. Seen, Flüsse und Bäche mit wunderbar klarem Wasser findest du fast überall.

Mit viel Glück und Geduld bekommst du auch einen Einblick in die Tierwelt, welche unter den harten Bedingungen in dieser Höhe lebt. Mit über 8’000 Tieren lebt die größte wilde Rentierherde in dieser Region. Auch Polarfüchse, Schneeeulen, Schneehühner, Schneehasen, Vielfrasse oder Berglemminge könntest du hier oben erblicken.

Ein riesiger Teil dieser Ebene wurde zum größten Nationalpark Norwegens erklärt. Über 3400 Quadratkilometer Natur, Wildnis, Berge, Flüsse und Seen können in diesem Park durch Wanderungen besichtigt werden. Viele bewirtschaftete und nicht bewirtschaftete Berghütten, verbunden durch unzählige Kilometer Wege, bieten diverse Möglichkeiten zum Übernachten während längerer Touren.

Abseits der Wege und Pfade sollten sich aber nur diejenigen bewegen, die auch wissen, wie man sich in der Natur orientiert. Nach einer halben Stunde Wanderung in eine Richtung, kann es schon echt schwierig werden, den Weg zurück zu finden. Dieses Gebiet ist unglaublich weitläufig und scheint überall gleich auszusehen. Orientierungspunkte an denen du dich orientierst sind in dieser Region sehr zu empfehlen. Wir bewegen uns gerne abseits der ausgetretenen Pfade und waren wirklich überrascht, wie schnell wir uns im Niemandsland befanden.

Riksvei 7 (E7)

Die Nationalstrasse E7 verbindet Geilo im Osten über die Hardangervidda mit dem Hardangerfjord im Westen. Bist du auf dem Weg an die Westküste von Norwegen ist diese Strasse definitiv eine super Wahl! Sie führt entlang des nördlichen Randes des Hardangervidda Nationalpark über dieses unendliche Hochebene und bietet wunderbare Sicht auf Berggipfel, unzählige Seen und Flüsse, sowie die riesige Ebene. Kommst du von Osten, ist die Anfahrt über Geilo nicht besonders steil und auch gut mit älteren Fahrzeugen zu bewältigen. Die Anfahrt auf die Hochebene zieht sich über viele Kilometer. Im Westen geht es dann steil und kurvig über Serpentinen und durch Tunnel wieder den Berg runter.

Die Strasse ist eine wirklich schöne Strecke durch die Berge. Links und rechts sind immer wieder kleine Seen, Flüsse und Bäche zu sehen. Das Gefühl einer nicht endenden Hochebene macht sich breit. Viele Rast- und Picknickplätze bieten Platz für einen Stopp und sogar für eine Nacht an. Doch das Verkehrsaufkommen ist nicht zu unterschätzen in dieser sehr abgelegen wirkenden Region. Auch viele Reisecars kämpfen sich über diese Strasse und bringen hunderte Touristen zu den Sehenswürdigkeiten. Einsamkeit macht sich entlang dieser Hauptstrasse also nicht wirklich breit. Wir erkundeten die Region Anfang August. Die Temperaturen waren schon sehr frisch, das Wetter sehr wechselhaft und es hat gerne mal geregnet. Dafür hielt sich die Anzahl an Wohnmobilen und Campern in Grenzen und wir fanden durchaus einen einsamen Platz für die Nacht.

Strasse zum Tinnhølen/Tinnhylen

Ein Highlight hier ist die namenlose und nicht asphaltierte Strasse zum Tinnhølen/Tinnhylen, ein See mitten in dieser riesigen Hochebene. Die gebührenpflichtige Strasse führt geschwungen durch die faszinierende Natur der Hardangervidda. Zu Beginn findest du eine kleine Holzhütte, darin wird die Maut beglichen. Die Gebühren betragen für eine Fahrt 110 NOK oder für eine ganze Saison 550 NOK. Bezahlen ist mit Kreditkarte möglich oder du wirfst einen Briefumschlag mit Bargeld in den Briefkasten. Einen Allrad-Antrieb braucht es für diese Strecke definitiv nicht. Über die gesamte Länge befindet sich die Piste in einem sehr guten Zustand. Natürlich ist es angebracht, die eigene Fahrweise dem Untergrund anzupassen. An viele Stellen ist das aneinander vorbei kommen nur durch Ausweichbuchten möglich.

Am Tinnhylen See sah es so aus, als sei ein parken über mehrere Tage möglich. Allerdings ist dort echt viel los. Unzählige Camping-Mobile versammelten sich um diesen wirklich schönen See. Das war definitiv nichts für uns. Aus diesem Grund drehten wir dort auch gleich wieder um und sind ein Stück zurück gefahren und suchten uns einen ruhigen Platz für die Nacht. Entlang der gesamten Strecke befinden sich viele Parkmöglichkeiten, mit wunderbarer Aussicht. Da gab es für uns absolut keinen Grund sich zwischen den anderen Fahrzeugen einzureihen 🙂

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Auf dieser Google Map könnte ihr den Start dieser spannenden Strecke sehen. Wenn du die E7 entlang fährst, ist diese kleine Strasse leicht zu übersehen. Also Augen offen halten 🙂

Vøringsfossen

Ein weiteres Highlight dieser Region ist der riesige Wasserfall Vøringsfossen am Ende der Hochebene in Richtung Westen. Mit über 180m Fallhöhe gehört der Wasserfall zu den größten in Norwegen. An der Nationalstrasse E7 befindet sich eine Plattform, die zur Besichtigung dieses Naturspektakels gebaut wurde. Leider wird dieser Ort aber rege besucht und die Touristenmassen sind echt heftig. Reisecars bringen regelmässig hunderte Touristen dahin und der Parkplatz ist sehr voll, so dass dieser Wasserfall für uns nicht unbedingt zu den sehenswerten Dingen gehört und wir auch gar nicht erst Halt gemacht haben.

Unser Fazit

Diese unendliche Region und ihre spezielle Flora und Fauna bieten ein herrliches Panorama, welches wir nur empfehlen können. Planst du eine Route über die Berge an die Westküste Norwegens ist die Hardangervidda definitiv ein Besuch wert.  Hätten wir noch mehr Vorräte an Board des Vans gehabt, wären wir definitiv noch viel länger in dieser atemberaubenden Region geblieben.