Auf der Suche nach abgelegenen Ecken in Norwegen entdeckten wir den Gamle Strynefiellsvegen. Die älteste Landschaftsstrasse in Norwegen. Diese gut gepflegte Schotterstrasse hat uns so stark in ihren Bann gezogen, dass wir eine ganze Woche zwischen den Bergen verbrachten.

Nachdem wir den Briksdalsbreen besucht hatten und dort von den riesigen Touristenmassen überrascht wurden, begaben wir uns auf die Suche nach abgelegeneren Strecken und Ecken. Wir durchschauten unser Kartenmaterial und suchten nach Strecken abseits der großen Autobahnen. Für viele neuere und größere Strecken existieren noch alternative Routen, welche früher genutzt wurden. So war es auch mit der E 15 welche zwischen Grotli und Videseter die alte Passstrasse ablöste. 1987 wurde der Gamle Strynefiellsvegen durch die ganzjährig befahrbare E 15 mit drei Tunneln als Hauptverbindung ersetzt.

Norwegen hat viele wunderschöne Strecken. 18 Stück davon wurden zu offiziellen Landschaftsrouten/Touristenrouten erklärt. Die älteste dieser Landschaftsrouten ist der Gamble Strynefiellsvegen. Vor über 100 Jahren wurde diese wunderschöne Gebirgsstrasse von Hand in zwölf jähriger Bauzeit in den Fels geschlagen und gesprengt. Noch heute ist diese Strasse nicht asphaltiert, was aus der Überfahrt ein besonderes Erlebnis macht.

Wir entschieden uns, diese Strecke genauer zu erkunden. Als Touristenroute bietet natürlich auch diese Strasse das Potential für ein hohes Touristenaufkommen. Allerdings lasen wir in einigen Internet Foren, dass diese Strecke zu dieser Zeit nicht mehr so stark besucht wird. Die Fotos aus dieser Region haben uns dann schlussendlich gänzlich überzeugt.

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Die Anfahrt

Vom unserem Nachtplatz unterhalb des Briksdalsbreen hatten wir etwa 1.5 Stunden bis zum Beginn dieser Panorama-Strecke. Bei Videseter verließen wir die E15 und begaben uns auf die alte Passstrasse. Zu Beginn wirkt diese Strecke aber gar nicht sehr alt. Der Anfang der Serpentinen wurden erst vor kurzem frisch asphaltiert. Beinahe bis zur Passhöhe vorbei an einem riesigen Hotel, ist die Strasse schon länger keine Schotterpiste mehr. Bereits ein wenig enttäuscht, ahnten wir nicht, was weiter oben noch auf uns zukommt. Kurz vor Beginn der Schotterstrasse passiert man einen Sommer Ski Resort. Die Größe der Parkplätze deutet darauf hin, dass hier ganz schön viel los sein kann. Doch als wir da oben ankamen waren wir beinahe alleine. Auch der Skilift war nicht im Betrieb und die Parkplätze absolut leer.

Die alte Passstrasse

Kurz nach den Parkmöglichkeiten beim Skilift beginnt der nicht asphaltierte Teil der Strecke. Der 27 km lange Schotter Abschnitt führt vorbei an diversen kleineren und größeren Seen, Bächen und Flüssen. Hinter jeder der vielen Kurven verbirgt sich ein unglaubliches Panorama. An vielen Stellen ist die Strecke an der Seite noch mit uralten Prellsteinen begrenzt oder führt über aufwändig von Hand gestapelte Stützmauern aus Steinen. Mit Offroad-Fahren hat das natürlich nicht viel gemein, aber die Strecke durch diese wunderschöne Region auf der alten Strasse hat einfach einen gewissen Charme und ist ganz klar eine Reise wert.

Nicht nur weil die Strecke nicht asphaltiert ist, sondern auch durch die vielen kleineren und grösseren Schlaglöchern, sowie das atemberaubende Panorama, ist eine angepasste Geschwindigkeit ratsam. Die Strecke befindet sich für eine Schotterstrasse im Großen und Ganzen in einem sehr guten Zustand. Manchmal sind mehr, machmal weniger Schlaglöcher vorhanden, aber diese würden kein Fahrzeug an der Durchfahrt hindern. Schon zu Beginn der Strecke wird man vor Wartungsarbeiten an der Strasse gewarnt. Fast täglich rückt ein Bagger aus, der die schlimmsten Abschnitte wieder repariert, so dass diese Strecke für jedes Fahrzeug problemlos befahrbar ist.

Freistehen auf dem Strynefjell

Das Strynefjell Hochplateau bietet eine unwirkliche Aussicht. Für uns eine Traumregion und wir konnten nicht anders als hier oben mindestens eine Nacht zu bleiben. Die Strecke bietet diverse Möglichkeiten, wo man sein Fahrzeug mehr oder weniger ungestört für die Nacht platzieren kann. Auch Parkplätze mit offiziellen Grill- und Picknickstellen sind vorhanden. Aus einer Nacht wurde dann sogar eine Woche, die wir dort oben zwischen den Felsen und Bergen verbrachten. Wir lieben diese Art von Landschaft. Wären unsere Vorräte nicht knapp geworden, hätten wir wohl noch einige Tage mehr dort verbracht.

Wanderung auf den Huguvarden

Wir hatten nicht wirklich viel Glück mit dem Wetter da oben zwischen den Berggipfeln. Die meiste Zeit regnete es den ganzen Tag. Den ersten Abend durften wir noch schönes Wetter genießen und einige Aufnahmen mit der Drohne machen. Danach war es tagelang sehr trüb und nass. Einmal meinte es das Klima dann aber doch gut mit uns und wir entschieden einen größeren Spaziergang zu machen. Bewölkt und windig war es nach wie vor, aber wir hatten wenigstens keinen Regen.

An der Strasse entdeckten wir schon am zweiten Tag ein Schild neben einem Weg mit der Aufschrift „Huguvarden“. Ein Berg in dieser Region trägt diesen Namen. Da die Internet Verbindung auf dieser Hochebene nicht sehr stabil ist, konnten wir aber nicht viel über die Wanderung auf diesen Gipfel herausfinden. Einige Bilder im Internet deuteten darauf hin, dass es eine Anspruchsvolle Wanderung ist. Für wirklich anspruchsvolle Touren hatten wir zu dieser Zeit aber weder die Schuhe noch sonst die passende Kleidung oder Ausrüstung. Wir entschieden uns einfach mal los zulaufen und zu schauen, was dieser Weg so mit sich bringt. Kehrt machen war ja zu jeder Zeit möglich.

Zu Beginn führt der Weg über eine kleine Hängebrücke, welche uns über einen wilden Fluss brachte. Unser Vierbeiner Mogli war bei der Überquerung dieser Brücke ziemlich skeptisch, doch er hat es wunderbar gemeistert 🙂 Wir verfolgten den Trampelpfad geschätzt etwa 1.5 Stunden, bis wir auf einer Anhöhe mit wunderbarer Sicht auf den Åfåttjønnin (ein Bergsee) gelandet sind. Die Strecke bis dahin hatte es schon gut in sich. Die meiste Zeit führte der Pfad steil den Berg hoch durch stellenweise sehr nasses Terrain. Doch die Aussicht von da oben war echt unglaublich! Wir durften eine atemberaubende weite Sicht über das Strynefiell Hochplateau genießen. Bis auf den Huguvarden wäre es aber bestimmt noch die eine oder andere Stunde weiter gegangen und es zogen auch schon wieder richtig dunkle Wolken auf.

Wir entschieden uns an dieser Stelle wieder Kehrt zu machen und zurück zu unserem Van zu marschieren. Wir waren glücklich, dass wir wenigstens dieses kurze Zeitfenster mehr oder weniger trockenes Wetter genießen durften und wir trotz mangelnder Ausrüstung eine kleine Wanderung machen konnten. Wir wollten aber kein Risiko eingehen und verabschiedeten uns wieder von diesem wunderschönen Ort.

Unser Fazit

Sollten wir in Zukunft mal wieder im Süden von Norwegen unterwegs sein, dann werden wir diese unglaubliche Region bestimmt erneut besuchen. Die Strecke über diese Hochebene hat einfach alles und noch viel mehr zu bieten, was wir lieben. Vielleicht steht das Wetter-Glück dann auf unserer Seite wir können die Tour auf den Huguvarden vollenden 🙂 Die Ausrüstung ist jetzt glücklicherweise vorhanden und weiteren Touren steht nichts mehr im Wege!