Wir sind immer auf der Suche nach abgelegenen Strecken, möglichst nicht asphaltiert und mit wenig Tourismus. Erneut hatten wir Glück und wir fanden eine wunderschöne Strecke durch den Reinheimen Nationalpark. Kühe, Schaffe, eine Schotterpiste und eine karge, unendlich wirkende Landschaft sorgten für ein einmaliges Erlebnis. 

Die Anfahrt

Vom Gamle Strynefjellsvegen, wo wir mehrere Tage verbracht hatten, ging es weiter Richtung Osten. Die E15 führt durch ein wunderschönes Tal. Große Wälder und tiefblaue Flüsse begleiteten uns auf dem gemeinsamen Weg. Da wir keine Lust auf Touristen Hotspots hatten, entschieden wir uns gegen die Strecke zum Geirangerfjord, welcher westlich von uns lag. Bereits auf dem Weg Richtung Slådalsvegen war uns klar die richtige Entscheidung getroffen zu haben und wir bereuten es nicht den beliebten Hotspot auszulassen.

Wenn immer möglich verließen wir die E15 und begaben uns auf kleinere parallel verlaufende Strassen. Die Fv468 war eine dieser eindrücklichen Strecken. Eine kleine, nicht asphaltierte Strasse auf der anderen Seite des Vågåvatn See. Schon diese kaum befahrene Route war ein schönes Abenteuer. Wie die meisten Schotterpisten in Norwegen ist auch dieser in einem generell sehr guten Zustand und problemlos ohne Allradantrieb befahrbar. Die einheimischen Menschen nutzen diese Strecke gerne mal und fahren dort auch mit ziemlich hoher Geschwindigkeit. Vorsichtiges Fahren ist hier also definitiv angebracht.

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Die Strecke über die E15 und die parallel verlaufenden Nebenstrassen bis nach Vågåmo sind wirklich beeindruckend und haben einiges zu bieten. Die vielen Seen und der Ausblick während der Fahrt waren bereits vor der geplanten Route ein echtes Highlight.

Der Slådalsvegen

In Vågåmo angekommen nutzten wir den Skogbygsvegen, welcher uns Richtung Reinheimen Nationalpark brachte. Nach Fynntryu nahmen wir einen weiteren Abzweiger nach rechts und verließen die FV453 wieder. Schnell ging es steil den Berg hoch und wir freuten uns auf die bevorstehende Strecke.

Weiter oben erreichten wir eine Schranke und dachten bereits, dass wir nicht mehr weiterkommen. Im Internet hatten wir nicht wirklich viele Informationen zu dieser Strecke gefunden und machten uns auf alles gefasst. Doch nachdem wir eine Gebühr von 50 NOK mit Karte bezahlt hatten, konnten wir beruhigt weiterfahren. Wir überlegten für einen kurzen Moment, ob wir diese Gebühr wirklich bezahlen oder doch lieber kehrt machen sollten. Grundsätzlich versuchen wir kostenpflichtige Strecken zu meiden und unser Reisebudget zu schonen. Doch die Neugier war stärker, was sich später dann auch als die richtige Entscheidung herausstellte.

Wir befanden uns nun also auf dem Slådalsvegen, eine wirklich schöne Schotterstrasse mitten durch den Reinheimen Nationalpark bis nach Lesja. Auch dieser Weg über die Berge ist in einem guten Zustand und problemlos mit jedem Fahrzeug befahrbar. Wir schätzen solche Strecken, nicht weil wir dort das richtige Offroad Abenteuer finden, sondern weil wir da meist fast alleine unterwegs sind. Über die gesamte Strecke sind uns nur zwei oder drei andere Fahrzeuge begegnet. Wir konnten die Natur also ungestört genießen und mussten nicht über die Strasse hetzen, weil uns andere Autos im Nacken sassen.

Die 32km lange Strecke bietet unzählige wunderschöne Plätze zum Übernachten im Van. Die Aussicht ist überall atemberaubend und man kann die endlose Natur voll auskosten.

Reinheimen Nationalpark

Der Reinheimen Nationalpark wurde 2006 gegründet, um die 1974 Quadratkilometer große, zusammenhängende Wildnis und das Hochgebirgs-Ökosystem zu schützen. Schon 1975 wurden erste Empfehlungen ausgesprochen, diese Region zu schützen und einige Jahrzehnte später, 1993 erklärte man sie dann auch zum Naturschutzgebiet. Durch diesen Schutz kann das gesamte Gebiet in Hinsicht auf Geologie, Klima, Vegetation und Topographie noch besser erforscht werden. Eine wirklich gute Entscheidung, denn die Natur hier ist einfach nur grandios! Wunderschöne Hochtäler, Fjorde und Berge sind in dieser wirklich abwechslungsreichen Natur zu finden.

Landschaft und Tierwelt

Der Park weist eine abwechslungsreiche und einzigartige Landschaft auf. Im Nordwesten des Parks liegt das Tafjordfjella Gebirge mit dem höchsten Berg Karitinden (1982m.ü.M) . Im Zentrum des Parkes liegt der Gråhøe (2014m.ü.M). Im Südosten befindet sich das Ottadalen mit dem Skartind (1883m.ü.M).

Für ausgiebige Wanderungen der perfekte Ort, um sich zu verweilen. Die Sicht fühlt sich endlos an und wir erkundeten diese Region nahezu alleine. Die Temperaturen waren niedriger als in Vågåmo, dennoch sehr angenehm.

Die Böden im Park sind meist sehr unfruchtbar, lediglich um den Slådalsvegen ist der Untergrund sehr kalkhaltig, was dort für eine üppige Pflanzenwelt sorgt und die Durchfahrt um einiges schöner gestaltet.

Die größten Säugetiere im Park sind die Bergrens. Darüber hinaus gibt es noch große Bestände des Alpen- und Moorschneehuhns. Auch seltene und gefährdete Arten wie der Vielfraß, Steinadler und Gerfalk finden hier ihr Zuhause. Uns begegneten allerdings nur Schafe und Kuhherden, welche bei der Durchfahrt nicht unterschätzen werden sollten und die Geschwindigkeit deshalb besser angepasst wird.

Unser Fazit

Alles in allem hat sich diese Entscheidung definitiv gelohnt. Wir lieben die Abgeschiedenheit und die Einsamkeit in der freien Natur. Dieses Gefühl vermittelt der Slådalsvegen definitiv und die Region lädt ein, um dort auch länger zu verweilen. Außer ein paar kleinen Häusern, der Strasse, einige Picknick Plätze und der endlosen Natur findet man hier keine weitere Infrastruktur. Dennoch würden wir bei einem erneuten Norwegen Besuch wieder zurückkehren und das nächste mal mindestens eine ausgiebige Wandertour unternehmen.