Auf unserem Weg in den hohen Norden haben wir den Svartisen (Schwarzeis) Gletscher erkundet. Einer der Gletscher Ausläufer ist durch eine grandiose Wanderung, vorbei an zwei wunderschönen Gletscherseen, erreichbar. Der Tagesausflug bis hoch an die Gletscherkante stellte sich als eine anstrengende Wanderung heraus, war aber zugleich eine wunderschöne und eindrückliche Erfahrung!

Gletscher sind für uns unglaublich faszinierend. Die riesigen Eiszungen sind einzigartig und das Jahrtausende alte Eis besitzt eine ganz besondere Ausstrahlung. Kein Wunder zog es uns wieder in die Nähe dieser enormen Eislandschaften. Nördlich des Polarkreises befindet sich der zweit größte Gletscher Norwegens. Der Svartisen, was auf Deutsch übersetzt Schwarzeis bedeutet, ist in der Nähe von Mo i Rana, einer großen Industriestadt, zu finden und liegt abgelegen in der Natur Norwegens.

Einige Kilometer vom Svartisgletschersee entfernt, entdeckten wir einen wunderschönen Spot im Sand. Schon seit Tagen regnete es fast ausschließlich. Doch die Wetterprognosen versprachen für einen einzigen Tag bessere Aussichten bis hin zu Sonnenschein. Wir verbrachten also einige Tage an diesem Fluss, arbeiteten fleißig und hofften, dass diese Prognosen auch eintreffen würden und wir den Gletscher besuchen könnten. Tatsächlich stand das Glück auf unserer Seite. Der Himmel öffnete sich und wir begaben uns auf den Weg Richtung Gletscher.

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Wanderung vorbei am Svartisgletschersee

Die Wanderung begann für uns östlich des Svartisgletschersee. Dort befindet sich ein kleiner Parkplatz neben einem Campingplatz, sowie ein kleiner Bootsanleger. Die meisten Besucher nehmen von dort aus ein Fährboot, welches Touristen in etwa 15 Minuten an das andere Ende des Sees bringt, wo für sie dann die Wanderung beginnt. Die Überfahrt mit dem Boot hätte für uns drei 400 Norwegische Kronen gekostet. Wir fühlten uns ganz Wohl mit dem Gedanken, dem See entlang zu marschieren und machten uns zu Fuss auf den Weg und ersparten uns die Kosten für die Überfahrt. Der Parkplatz ist für Personen, welche nicht die Fähre nehmen, kostenpflichtig. Es wird penibel darauf geachtet, ob man nur parkt oder auch die Fähre nimmt. Die Kosten für einen ganzen Tag betragen 150 NOK. Die letzten Tage verbrachten wir wetterbedingt fast ausschließlich im Van. Da waren wir ganz froh um ein wenig Bewegung. Wir bezahlten also den Parkplatz und machten uns auf den Weg.

Mit dem, was uns auf diesem Stück der Wanderung erwartete, hätten wir definitiv nicht gerechnet. Der winzige Pfad durch den Wald war extrem nass. Die meiste Zeit marschierten wir im Matsch und durch sumpfiges Gebiet. Der Trampelpfad war teilweise kaum erkennbar und wir liefen meist ahnungslos immer der Nase nach weiter geradeaus. Es fühlte sich an, als würden wir mitten durch den Jungle wandern. Von einem Wanderweg konnte man kaum noch reden. Es war von allem etwas dabei. Meter hohes Gras im Sumpf, Felsen über die man kraxeln musste, große Baumstämme, welche auf dem Trampelpfad lagen oder Wasserläufe, die den Weg kreuzten. Für die Strecke bis ans andere Ende des Sees brauchten wir etwa zwei Stunden. Auch wenn es im Großen und Ganzen nicht wirklich den Berg hoch ging, verlangte dieser Pfad einiges von uns ab.

Umso freudiger war der Anblick des Bootsanlegers, an dem man mit der kleinen Fähre ankommt. Wir wussten, das wir den ersten Teil geschafft hatten. Endlich lag vor uns nur noch Fels und Gebirgslandschaft und kein super dichter und feuchter Wald mehr. Das erste Stück bis dahin stellte sich als eine spannende und anstrengende Erfahrung heraus, führte aber auch dazu, dass wir schon ziemlich durchnässt waren. Glücklicherweise stand das Wetter auf unserer Seite und wir hatten keinen zusätzlichen Regen!

Hoch zum Østertalgletschersee

Von nun an ging es steil den Berg hoch. Das machte die Wanderung nicht weniger anstrengend, dennoch zogen wir dies der feuchten Sumpflandschaft vor.

Das Terrain änderte sich rasant. Zuvor befanden wir uns im Regenwald und nun ging  es weiter über eine marsähnliche Felslandschaft hoch zum Gletscher. Der Fels wies überall diese wunderbar rot-orange Färbung auf, so wie wir es nur von Bildern aus den Grand Canyons in den USA kannten. Das Panorama war einfach nur wunderschön und schon da hatte sich die Mühe absolut gelohnt!

Vom Bootsanleger zum Østertalgletschersee bis an die Kante des Svartisen Geltscher hoch, waren es noch etwa drei Kilometer. Von hier aus ist die Strecke durch Schilder, rote Markierungen und Steinmännern signalisiert. Den Weg zum Gletscher zu finden ist relativ einfach und stellte für uns kein Problem dar. Wobei man aber auch hier nicht wirklich von einem Wanderweg sprechen kann. Zu Beginn befindet man sich noch auf einem Weg, welcher dann aber schnell in Felsen über geht und man über riesige Felsplatten und Steine kraxelt.

Für diesen Teil der Wanderung benötigten wir erneut etwa eineinhalb Stunden. Doch wie bereits erwähnt, war es die Anstrengung absolut wert. Oben beim Østertalgletschersee angekommen, konnten wir kaum fassen, wie schön die Natur sich hier entfaltete! Dieser wunderschöne Rot-Ton um den gesamten See und die zusätzliche Sicht auf den Gletscher, sind einfach nur atemberaubend! Ein Stückweit vom Gletscher entfernt, befindet sich ein kleiner Unterstand, wo man mit guter Ausrüstung übernachten könnte.

Wir entschieden uns bis ganz an die Gletscherkante zu wandern. Nach einigen weiteren Minuten Marschzeit befanden wir uns dann direkt unterhalb der riesigen Eiskanten. Immer mal wieder entdeckten wir Markierungen, welche die frühere Position des Gletschers und dessen Rückgang visualisierten. Noch vor wenigen Jahren reichte der Svartisen bis in den Gletschersee hinein. Direkt neben dem Eis zu stehen ist eine spektakuläre Erfahrung! Von weitem kann man sich gar nicht vorstellen wie hoch diese Kanten wirklich sind. Erst aus der Nähe ist die gesamte Größe wirklich erkennbar. In der Nähe eines Gletschers ist immer Vorsicht geboten! Es ist wichtig auf dessen Geräusche zu achten und sich respektvoll zu verhalten. Deshalb raten wir auch ab, ohne Kenntnisse den Gletscher zu besteigen oder in Gletscherhöhlen zu klettern. Jeder Zeit könnte ein Stück der Eiskant abbrechen, runter fallen oder nachgeben. Zusätzlich sind Gletscher in ständiger Bewegung und dürfen nicht unterschätzt werden!

Einen Ausflug wert

Den Svartisen Gletscher zu besuchen können wir nur empfehlen! Zu der Zeit als wir ihn besuchten, war nicht viel los und die Touristenmassen hielten sich in Grenzen. Es lohnt sich neben der Saison zu gehen, um die Wanderroute in Ruhe zu genießen. Die Landschaft rund um den Østertalgletschersee ist einfach nur unglaublich schön und ein weiteres Naturschauspiel von Norwegen. Die Wanderung vom Bootsanleger bis hoch zum Gletscher ist nicht allzu anstrengend und kann durchaus für eine Nachmittagswanderung ausgesucht werden. Möchte man die gesamte Strecke gehen, empfiehlt es sich genügend Zeit einzuplanen. Denn das erste Stück, auch wenn es zuerst nicht so aussieht, hat es in sich und kann sich je nach Wetterlage in die Länge ziehen. Die Berglandschaft bietet sich ebenfalls an mit dem Zelt zu übernachten und einige Tage zu verweilen. Rund um den See und den Gletscher gibt es zahlreiche Wanderrouten und Berghütten, welche zu längeren Wanderrouten einladen. Alles in allem ein hervorragendes Gebiet, um in der Natur zu verweilen.