Als wir noch in einer Wohnung gelebt haben, benutzte ich zur Haarentfernung gerne einen Epilierer. Dieser zupft die Haare einigermassen sanft heraus und lässt den Bereich angenehm glatt werden. Da das Gerät nur mit Batterien oder Strom verwendet werden kann, suchte ich nach einer stromfreien und abfallschonenden Alternative. Auf der Suche nach Lösungen für ein Leben im Van, stieß ich auf eine altbewährte und nun wieder in Mode gekommene Lösung: Der Rasierhobel

Was ist ein Rasierhobel?

Vor der Erfindung des Rasierhobels*, nutzten die Menschen hauptsächlich Rasiermesser. Als im Jahre 1874 in Großbritannien der erste Rasierhobel auf den Markt kam, genoss er große Beliebtheit. Der Rasierhobel ist simpel aufgebaut und besteht aus drei Elementen:

  • Der Griff: Ist meist aus rostfreiem Stahl oder Holz gefertigt. Er ist des Öfteren etwas kürzer als ein herkömmlicher Rasierer. Zudem liegt der Rasierhobel schwerer in der Hand und lässt sich rutschsicher halten.
  • Der Rasierkopf: Gibt es in verschiedenen Ausführungen. Die zwei häufigsten Modelle sind der Hobelkopf oder der Butterfly Rasierkopf. Wie sich diese zwei Köpfe genau unterscheiden, erfährst du weiter unten. Durch das Eigengewicht gleiten beide Köpfe ohne Druck über die Haut.
  • Die Klinge: Bei beiden Rasierhobelkopf-Arten nutzt du eine scharfe Rasierklinge, um deine Behaarung zu entfernen. Diese hinterlassen eine sanfte und haarfreie Haut und sind äußerst preiswert in der Anschaffung.

Diese drei Teile werden zusammengeschraubt und zur Nassrasur verwendet.

Der klassische Rasierhobel besteht aus vier Einzelteile. Die Rasierklinge wird zwischen die beiden Teile des Hobelkopfs geklemmt, welcher am Griff festgeschraubt wird.

Was für Modelle?

Die bekanntesten Modelle sind der klassische Rasierhobel* und der Butterfly-Rasierhobel*.

Beim klassischen Rasierhobel* besteht der Hobelkopf aus zwei Teilen, welche durch den Griff zusammengeschraubt werden. Zwischen den zwei Metall-Teilen befindet sich eine Rasierklinge, die etwa 2 mm über die Hobelkopfteile herausragt. Diesen Kopf gibt es mit einem geschlossenen Kamm oder einem offenen Kamm. Der geschlossene Kamm ist besonders bei Anfänger zu empfehlen und hilft dir, dich nicht zu schneiden.

Der Kopf des Butterfly Rasierhobels* wird durch die Drehung des Griffes geöffnet. Danach setzt du die Rasierklinge ein. Diese ragt ebenfalls zwischen dem Schliessmechanismus heraus. Durch den Butterfly Mechanismus ist es dir möglich, die Klinge schneller und beinahe einhändig zu wechseln.

Die beiden Modelle unterscheiden sich während dem Rasieren kaum, einzig der Mechanismus zum Einspannen der Klinge ist unterschiedlich.

Wieso Rasierklingen?

Rasierklingen sind nicht nur sehr scharf, sondern überzeugen ebenfalls durch ihre Robustheit. Sie sind sehr langlebig und können mit etwas Aufwand nachgeschärft werden. Ausserdem sind sie günstig in der Anschaffung. Viele Verpackungen bestehen aus Papier und sind in großen Mengen käuflich zu erwerben. Das erspart dir nicht nur einiges an Verpackungs-Müll, sondern schont deinen Geldbeutel enorm. Ist deine Rasierklinge trotz nachschärfen stumpf geworden, kannst du sie fachgerecht entsorgen. Da die Klingen sehr klein sind, lassen sie sich gut in einem Marmeladenglas sammeln und danach nach Jahren(!) im Altmetall recyceln. Du reduzierst dadurch Ressourcen, welche nicht gebraucht werden, um herkömmliche Plastikeinweg-Rasierer und deren Verpackung herzustellen und schonst deinen Geldbeutel.

Anwendung

Um einen Rasierhobel zu nutzen, braucht es hauptsächlich etwas Gewöhnung. Die Vorbereitungen sind ähnlich, wie bei der Rasur mit einem Sicherheits-Rasierer. Du rasierst dich am besten mit einer natürlichen Seife oder einem selbst hergestellten Rasierschaum. Du seifst dir die zu rasierenden Bereiche ein, um die Haare weicher zu machen und die Rasur zu erleichtern.

Danach setzt du den Rasierhobel an und gleitest ohne Druck über die Haut. Dabei ist es wichtig den richtigen Winkel anzuwenden, um dich nicht zu schneiden. Dieser passt du während der Rasur an. Abhängig von dem zu rasierenden Bereich, neigst du den Hobel etwas mehr oder weniger. Mit der Zeit findest du den perfekten Winkel immer schneller und du wirst dir gar keine Gedanke mehr diesbezüglich machen müssen. Ich rasiere mich in Richtung des Haarwuchs und nie gegen den Strich. Gelingt dir das, ist es bald sehr einfach, dich schneller und ohne Schnitte zu rasieren. Nach der Rasur kannst du wie üblich deine Haut mit etwas Öl oder einer natürlichen Creme pflegen.

Mein Tipp: Lass dir Zeit! Besonders am Anfang ist es wichtig Zeit für die Rasur einzuplanen. Du solltest dich zuerst an den Rasierhobel gewöhnen und nichts überstürzen. Durch mehrere Anwendungen wirst du geübter und schneller.

Welche Vorteile hat ein Rasierhobel?

Abfall vermeiden: Durch die Verwendung eines Rasierhobels umgehst du einiges an Plastikmüll. Es entsteht beinahe keinen Abfall und die Anwendung ist sehr nachhaltig. Die Klingen werden oftmals in Papier verkauft und können nach langer Anwendung recycelt werden.

Kein Strom nötig: Im Van kann Strom schonmal knapp werden. Mit dem Rasierhobel bist du gar nicht erst von einer Stromversorgung abhängig.

Geld sparen: Ich schone unsere Reisekasse enorm. Ich nutze stets noch die erste Klinge, welche ich beim Kauf dazu bekam. Ein fünfer Set Ersatz Klingen kostet 1.50 Euro. Ein heftiger Unterschied zu den herkömmlichen Ersatzköpfen.

Langlebig und robust: Ein Rasierhobel wird dich lange begleiten. Sie sind äußerst robust verarbeitet und langlebig gebaut. Zudem sind sie rostfrei und liegen angenehm in der Hand.

Altbewährt: Den Rasierhobel gibt es schon sehr lange und wurde in der Vergangenheit in jedem Haushalt genutzt. Leider ist er durch viele Einweg Produkte in Vergessenheit geraten und wurde verdrängt. Nichts desto trotz hat sich der Rasierhobel erneut etabliert und durch seine Robust-und Einfachheit durchgesetzt.

Einfache Reinigung: Die metallischen Teile lassen sich sehr leicht reinigen. Drehst du den Hobel nach der Rasur etwas auf, trocknet die Klinge in der Halterung schneller und beginnt nicht zu rosten.

Welche Nachteile bringt ein Rasierhobel?

Ein Rasierhobel bringt meiner Meinung nach keine ernsthaften Nachteile mit sich. Du musst dich nur an etwas Neues gewöhnen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und skeptisch gegenüber Neuem. Wenn du dich erst mal mit einem Rasierhobel auseinander setzt und die erste Hürde gemeistert hast, bin ich mir sicher, wirst du ihn nicht mehr hergeben wollen.

Klar, geht die Rasur anfangs etwas länger, ist ja auch normal, wenn du nach jahrelanger Rasur mit einem Sicherheits- Rasierer etwas unsicher bist. Doch nach langer eigener Benutzung kann ich dir sagen, mit der Zeit wirst du schneller. Meine Rasur dauert mittlerweile ebenso lang wie früher. Nur rasiere ich mich bewusster und vorsichtiger 😉

Wo kann ich einen Rasierhobel kaufen?

Wie bereits erwähnt werden Rasierhobel wieder beliebter und dies vereinfacht ebenso den Kauf.

  • Unverpackt-Läden sind eine gute Anlaufstelle. Viele solcher Läden bieten verschiedene Modelle an und helfen dir gerne weiter. Ein Rasierhobel ist abfall- oder plastikfrei zu kaufen und deshalb gerne im Zerowaste-Hygienebereich zu finden.
  • Ebenso habe ich die Rasierhobel bereits in den BioLäden entdeckt. Die Mitarbeiter sind vertraut mit dem Begriff und erklären dir die Unterschiede der Modelle.
  • Online ist ebenfalls eine Möglichkeit deinen neuen Rasierhobel zu bestellen.
  • In großen Kaufhäusern bin ich dem Rasierhobel ebenso bereits begegnet. Meist in der Kosmetikabteilung wirst du mindestens ein Modell finden.
  • Second Hand ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, um dir einen Rasierhobel zu beschaffen. Da sie seit langem bewährt sind und du alle Teile abkochen und sterilisieren kannst, ist es durchaus lohnenswert, dir im Internet oder auf dem Trödel einen Hobel aus zweiter Hand zu zulegen.

Rasierklingen

Neben den verschiedenen Rasierhobel Modelle gibt es unterschiedliche Klingen. Verschiedene Hersteller bieten unterschiedliche Klingen an. Alle passen in einen Rasierhobel unterscheiden sich allerdings in Schärfe und Spannung. Ich nutze einen Rasierhobel von Mühle und verwende immer noch die erste Klinge. Mit dieser komm ich sehr gut zu Recht und werde danach eine Set mit verschiedenen Klingen besorgen. Dadurch kann ich mich durch die verschiedenen Klinge testen und die für mich passenden in großen Einheiten einkaufen 😉

Entsorgen

Wie erwähnt ist ein Rasierhobel sehr ressourcenschonend. Wenn du den Hobel in einer Verpackung kaufst, kannst du die Schachtel weiterverwenden. Besonders auf Reisen eine praktische Methode, um den Hobel aufzubewahren. (Achtung: Im Handgepäck während eines Fluges sind Rasierklingen meist nicht erlaubt) Zudem ist die Verpackung aus Papier oder Karton, welches du entsorgen bzw. recyceln kannst.

Auch die Rasierklingen sind in Papier verpackt. Das Papier kann problemlos ins Altpapier. Die Klingen bestehen aus Metall und du kannst sie recyceln. Die Klingen bleiben äußerst lange scharf und müssen selten gewechselt werden. Idealerweise sammelst du sie in einem Behälter und entsorgst sie nach einer (langen) Weile alle gemeinsam im Altmetall.

Fazit

Ich habe mich nach anfänglicher Skepsis in meinen Rasierhobel verliebt. Er gleitet mühelos über die Haut und entfernt die Haare äußerst präzis. Ich verwende ihn mittlerweile für alle Bereiche und habe mich noch nie geschnitten. Anfangs flösste mir bereits nur der Name ‚Rasierhobel‘ etwas Respekt ein. Hobel hört sich irgendwie gruselig an. Dennoch wollte ich ihn ausprobieren und machte mich an die ersten Rasuren. Diese liefen noch etwas zaghaft ab, doch lieferten sie sehr gute Ergebnisse. Ich wurde immer sicherer und würde ihn nicht mehr hergeben. Ich nutze immer noch die erste Klinge und finde den Hobel einen optimalen Begleiter im Van. Er braucht nicht viel Platz, ist umweltfreundlicher, robust und einfach in der Anwendung und ich habe mich entgegen allen Erwartungen noch nie damit geschnitten =D

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